Dienstag, 17. November 2009

NACHDENK-CORNER 8

Der Begriff der „Kompatibilität“ ist im Zeitalter der Kommunikation allgemein verständlich geworden. Nur Systeme, die kompatibel sind, können untereinander kommunizieren. So neu ist dies allerdings nicht. Quidquid recipitur ad modum recipientis recipitur. Mit anderen Worten: wer die Welt durch eine grüne Brille betrachtet, sieht auch die Wolken grün.
Die Bedingung, nur kompatible Systeme miteinander „verknüpfen“ zu können, gilt auch für das Problem der Verständigung zwischen Menschen, oder mit dem Menschen durch Nicht-Menschen, also etwa Gott. Gott „kann“ sich dem Menschen nicht verständlich machen – trotz seiner so genannten „Allmacht“ – ohne kommunikationstechnisch, also etwa sprachlich, mit diesem kompatibel zu werden. So „spricht“ er zu diesem in seiner Sprache.
In welcher Sprache aber?
Nach den biblischen Erzählungen hatte ja gerade Gott die Menschen einer gemeinsamen, also auch von allen verständlichen, Sprache beraubt. Soll er sich selbst also, gemäss seines im Zorn gefassten Beschlusses, in allen Sprachen gleichzeitig ausdrücken, damit auch alle sine Kreaturen seine Botschaft hören und verstehen? Tut er dies nicht, wählte er z.B. nur die Sprache Israels, so schliesst er ungerechterweise den grössten Teil der eigenen Geschöpfe von der wichtigsten Mitteilung überhaupt aus, nämlich von seinem Wort. Will er also kein „Rabengott“ sein, so wird er zugleich dasselbe in allen Sprachen zu allen Völkern sagen.
Er tat es nicht.
Mit Allah geht es etwa gleich. Er offenbart arabisch und schliesst dadurch a priori alle anderen aus, die dadurch zu „Ungläubigen“ werden. Da soll mir einer sagen, dies wäre kein Rassismus.
Gottvater der Christen trickst mit dem Geschenk der „Gnade“ alle jene aus, die nicht in den Himmel kommen sollten. Ist das etwa gerecht?
Gott „Ungerechtigkeit“ vorzuwerfen wäre insofern unsinnig, als dies eine gänzlich menschliche Kategorie ist. Folglich ist jener „Gott“ der sich angeblich „offenbart“, nichts anderes als ein gesteigerter Mensch.
Ja noch mehr! Die Semantik hat aufgezeigt, dass die Bedeutungen der Wörter während der Zeit sich ändern. Alte Ausdrucksformen spiegeln nicht mehr ihren ursprünglichen Sinn wider. Es wäre also richtig, für spätere Generationen eine Art Updating der Offenbarung einzuführen. Eine Feineinstellung wird notwendig. Ansonsten werden spätere Generationen Kreti für Pleti verstehen.
Falls man schliesslich einsieht, dass „die Sprache Quelle aller Missverständnisse“ ist, wird es schliesslich recht komplex. Also: direkte Evidenz schaffen, durch Mystik etwa?
Er schaff sie nicht.
Versuchen wir es doch zu verstehen, um was es hier geht! Um die Offenbarung Gottes an den Menschen, die wichtigste Nachricht überhaupt, die ihm kundgetan werden kann. Sollte dies also so stattfinden, wie es die „Schriften“ vormachen, so wäre mir dieser Gott etwas oberflächlich in seinem Bemühen, dem Menschen etwas Wichtiges mitzuteilen. Nachdenken lohnt sich. Der Mensch führt hier Selbstgespräche. Offenbar.

Kommentare:

  1. Da gäbe es viel zu sagen und zu schreiben!
    Nur soviel: Die Verständnisse, wie sich Gott offenbart, sind unterschiedlich, billige Einebnung wäre fatal. Wie Offenbarungen zu verstehen, zu deuten und zu werten sind, ebenfalls... Die jüdischen Rabbiner haben die Thorah anstelle des verlorenen Tempels gesetzt, wo sich Gott manifestiert hatte. Israel war ein kleines Land, Gott hatte sich also nicht auf die Seite der Grossmächte Babylon und Aegypten geschlagen... Jesus ist der menschgewordene Gott, Gott der von "unten" und unscheinbar kommt. Die Bibel "nur" Erzählungen von Gottes Offenbarungen. Sie kann nur verstanden werden, wenn sie interpretiert wird. Jesus hat das in der Berglehre vorgemacht. Das Gottesbild darin ist sehr komplex, Projektion des Menschen kann ich kaum erkennen, Entwicklung hingegen schon. Die christlichen Kirchen sind leider zu häufig auf Macht und Einfluss aus und Macht korrumpiert bekanntlich... Der Koran dagegen das diktierte, unfehlbare Wort Gottes, das nicht in Frage gestellt werden darf... Eher mehr Fragen statt Antworten

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  2. Es geht eigentlich in ersten Lienie nicht darum, wie Offenbarungen verstanden werden sollten, sondern darum, dass Offenbarungen nichts anderes als antropomorphes Konstrukt sind. Der Mensch sehnt sich nach dem Wort von oben, somit erdichtet er es sich. Dies auf Kosten seiner Eigentlichkeit.

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