Mittwoch, 17. Februar 2010
DAS TUT ECHT WEH, IHR GESETZGEBER
Im Leben hat jeder viele Prüfungen zu bestehen. Denn schließlich ist der Alltag voller Tücken, die nur durch gründliche Vorbereitung zu bewältigen sind. Da ist zuerst die Schule, dann die Religion, die als Krönung des Unterrichts ein Examen abverlangen. Dann geht es weiter. Will man sich im Verkehr bewähren, so legt einer die Fahrprüfung ab; will sich einer einbürgern, so muss er seine Integration vor einer Kommission beweisen, möchte jemand einen Hund halten, so legen er und der Hund ein Examen ab. Da sollte man meinen, für die schwierigste Aufgabe im Leben wäre auch eine Prüfung vorgesehen, nämlich für die Kindererziehung. Nein, da wird jeder seinem natürlichen Talent überlassen. Wer erinnert sich nicht an die Diskussion über die antiautoritäre Erziehung, wo Befürworter und Gegner mit beinahe sektiererischem Eifer ihre Überzeugungen vortrugen. Die sich im Wildgehege der Zwanglosigkeit frei bewegenden Kinder terrorisierten Eltern, Nachbarn, Lehrer und Fürsorger und wurden in den meisten Fällen zu exemplarischen Egoisten. Andere riefen nach Strenge und Ordnung, wieder andere nach nichts. Mein Psychologieprofessor an der Universität versuchte ein Gleichgewicht zu predigen, das ich vor mehr als vierzig Jahren in meinem ersten Artikel in einer Zeitschrift, „Eltern“ hieß sie, über das Problem, ob Kinder Äpfel stehlen dürfen, der Weltöffentlichkeit zu Bewusstsein bringen suchte. „Ja“ bedeutete Freiheit, „nein“, Ordnung, mit meiner persönlichen Tendenz zur Ordnung. Die Kontroverse ist noch nicht ausgestanden. Als erstes deutsches Bundesland räumt Berlin dem Lärm von Kindern per Gesetz ausdrücklich Schutz ein und weist verärgerte Nachbarn damit in die Schranken. Von Kindern verursachte Geräusche seien künftig auch juristisch als sozial adäquat und damit zumutbar zu beurteilen. Die Nachbarn sollen also ruhig sein, wenn Kinder ihnen bei der Arbeit, beim Lesen, Musikhören oder einfach beim Mittagsschlaf die Nerven strapazieren. (Vgl. Neue Zürcher Zeitung, 7. Februar 2010, S. 5). Natürlich brauchen die Kinder nicht zum sozialen Verhalten erzogen zu werden, natürlich müssen die Eltern kein Examen ablegen, wie man diese Gören in die Schranken weist. Auch im anderen Extremfall nicht: in Kambodscha erboste sich eine Mutter über ihre dreizehnjährige Tochter, die während eines Festes in eine nahe gelegene Pagode entwischte. Diesem Treiben musste Einhalt geboten werden, fand die Erzieherin und nagelte, um weitere Ausgänge zu verhindern, den rechten Fuß der Tochter kurzerhand an den Boden. (Vgl. Corriere del Ticino, 28 November 2002, S. 60). Müsste nach der Berliner-Justiz das Geschrei der leidenden Tochter auch in den „zumutbaren“ Rahmen fallen?
Montag, 15. Februar 2010
Freitag, 12. Februar 2010
DAS TUT ECHT WEH, IHR FRAUENVERHÜLLER
Das Tagesblatt Gulf News berichtet von einem arabischen Botschafter, der in Dubai die hehre Absicht hatte zu heiraten. Eine alltägliche und recht gewöhnliche Sache, würde man meinen. Doch nicht so, wenn der Bräutigam seiner Auserwählten noch nie ins Gesicht blicken konnte, weil diese Burka-Trägerin ist. Erwartungsvoll stand der zukünftige Ehemann nach dem Jawort da, bereit sich zu verlieben, als die Braut den Niqab, die Kopfverhüllung des Ganzkörperschleiers lüftete. „Oh, my God“ mochte er ausrufen, was auf arabisch etwa wie „marhalla Allaha“ tönen konnte. Was er da sah war eine arg schielende, hässliche Braut mit stark ausgeprägtem Gesichtshaar. Der Bräutigam wandte sich an das Gericht, ersuchte um Annulierung des Eheversprechens und verlangte für die erlittenen moralischen Schäden Entschädigung.
Die Moral von der Geschicht,
kauf die Katze im Sack nicht.
Die Moral von der Geschicht,
kauf die Katze im Sack nicht.
Mittwoch, 10. Februar 2010
DAS BRAUTBUKETT
Die Volksgruppe der Oromo in Äthiopien, früher Galla genannt, kannte das Geheimnis, wie man Bräute verwöhnte. Früher galt bei ihnen ein Mann nicht als voll initiiert und heiratsfähig bevor er nicht die abgeschnittenen Genitalien eines Feindes heimgebracht hatte. Da kam doch ein Verliebter gewiss auf die Idee, seine Zuneigung durch einen Korb voll solcher Brautgeschenke zu beweisen. Schade, dass es damals noch keine Fotografen gab, die das Hochzeitsbild knipsten. Die Auserwählte, die mit einem solchen Brautbukett in der Hand in die Kamera lächelte.
Noch radikaler waren die Papuas: die mussten den abgeschlagenen Kopf eines Feindes als Trophäe auf den Altar legen.
Noch radikaler waren die Papuas: die mussten den abgeschlagenen Kopf eines Feindes als Trophäe auf den Altar legen.
Sonntag, 7. Februar 2010
WIE HABAKUK DIE WELT ERLEBTE 10
Diesmal entging ich in Persien nur knapp dem Tod, mein lieber Onkel Habakuk. In bin in eine sehr unerfreuliche Situation geraten. Zuerst ging zwar die Reise bestens, ich traf viele nette Menschen und bekam Neuigkeiten zu sehen, die man sonst nirgends antrifft. Doch als ich eines Tages vor den Gerichtshof geladen wurde, sah es wirklich so aus, als hätte mein letztes Stündlein geschlagen. Der Grund des Aufhebens war, wie immer, meine Eselin Ruhla. Sie hatte ein Techtelmechtel mit einem königlichen Kriegshengst, es gab dann Komplikationen, namentlich ein Maulesel. Ich wurde der „Verunreinigung der reinen persischen Kriegsrossrasse“ angeklagt.
Ich brachte ein schlagendes Argument vor: Maulesel könnten sich nicht fortpflanzen, somit bestehe keine Gefahr, dass das Eselsblut meiner Ruhla die Ader der Kriegshengstrasse verpeste.
Schon die Tatsache, dass auf persischem Boden ein solches Ungetüm aus deiner Schule zur Welt gebracht wurde, ist strafbar, sagte der Richter.
Ich beteuerte, ich wäre unschuldig. Es war meine Eselin Ruhla, die sich einen Fehltritt erlaubt hatte. Der Richter, ein grimmiger Mann, blieb unbeugsam. Er hatte die eigenartige Gewohnheit, immer das gleiche Urteil zu fällen: der Angeklagte soll gehäutet werden.
Wenn du seine Geschichte hörst, wirst du verstehen, warum.
Sein Vater selig war Richter unter dem König Kambyses. Einmal, als er ein Urteil nicht nach dem Geschmack des Königs fällte, ließ ihn Kambyses häuten, seinen Richterstuhl mit der abgezogenen Haut überziehen und den Sohn des Ungelehrigen in das Richteramt einsetzten. Dieser fällte dann, in ständiger, heilsamer Hautfühlung mit seinem Vater königlichere Urteile. So ergab es sich, dass der Sohn-Richter ziemlich eintönig alle Angeklagten häuten ließ und mit derer Haut allerlei Sattlerarbeiten ausführen ließ.
Als ich vor ihn geführt wurde, begann er das Verhör wie folgt:
Wie groß bist du?
Einmeterachtundsechzig.
Brustumfang?
Zweiundachtzig.
Bundweite?
Achtzig.
Keine ausgesprochen Mannequinfigur, grunzte er. Er gibt gerade noch einen Küchenhocker ab.
Ich bin aber unschuldig, plädierte ich.
Küchenhocker also, sagte der Richter und wollte meinen Einwand nicht zur Kenntnis nehmen.
Lieber Onkel Habakuk, es waren schreckliche Augenblicke. Selbst der Gedanke an die delikaten Körperteile der Mägde, die einmal an meiner Haut herumrutschen sollten, gab mir in Anbetracht meines Loses keinen Trost. Ich glaube, dieser skrupellose Richter würde in der Not selbst das Fell seines Vaters zu Markte tragen und seinen Stuhl einem Antiquar verkaufen. Doch da das Philosophieren die Welt weder erklären noch verändern kann, halfen mir meine Überlegungen in dieser prekären Situation reichlich wenig. Der Richter begann meine Personalien aufzunehmen. Die braucht man für den Qualitätsnachweis, erklärte er mir.
Als er hörte, dass ich Jude bin, fragte er: bist du beschnitten?
Ja.
Ich hebe das Urteil auf. Der Sattler hätte mir dir nur Flickarbeiten, sagte er und ließ mich springen. Ich bin mir wieder sehr wohl in meiner Haut.
Herzliche Grüße
Dein Neffe Ibrahim
Ich brachte ein schlagendes Argument vor: Maulesel könnten sich nicht fortpflanzen, somit bestehe keine Gefahr, dass das Eselsblut meiner Ruhla die Ader der Kriegshengstrasse verpeste.
Schon die Tatsache, dass auf persischem Boden ein solches Ungetüm aus deiner Schule zur Welt gebracht wurde, ist strafbar, sagte der Richter.
Ich beteuerte, ich wäre unschuldig. Es war meine Eselin Ruhla, die sich einen Fehltritt erlaubt hatte. Der Richter, ein grimmiger Mann, blieb unbeugsam. Er hatte die eigenartige Gewohnheit, immer das gleiche Urteil zu fällen: der Angeklagte soll gehäutet werden.
Wenn du seine Geschichte hörst, wirst du verstehen, warum.
Sein Vater selig war Richter unter dem König Kambyses. Einmal, als er ein Urteil nicht nach dem Geschmack des Königs fällte, ließ ihn Kambyses häuten, seinen Richterstuhl mit der abgezogenen Haut überziehen und den Sohn des Ungelehrigen in das Richteramt einsetzten. Dieser fällte dann, in ständiger, heilsamer Hautfühlung mit seinem Vater königlichere Urteile. So ergab es sich, dass der Sohn-Richter ziemlich eintönig alle Angeklagten häuten ließ und mit derer Haut allerlei Sattlerarbeiten ausführen ließ.
Als ich vor ihn geführt wurde, begann er das Verhör wie folgt:
Wie groß bist du?
Einmeterachtundsechzig.
Brustumfang?
Zweiundachtzig.
Bundweite?
Achtzig.
Keine ausgesprochen Mannequinfigur, grunzte er. Er gibt gerade noch einen Küchenhocker ab.
Ich bin aber unschuldig, plädierte ich.
Küchenhocker also, sagte der Richter und wollte meinen Einwand nicht zur Kenntnis nehmen.
Lieber Onkel Habakuk, es waren schreckliche Augenblicke. Selbst der Gedanke an die delikaten Körperteile der Mägde, die einmal an meiner Haut herumrutschen sollten, gab mir in Anbetracht meines Loses keinen Trost. Ich glaube, dieser skrupellose Richter würde in der Not selbst das Fell seines Vaters zu Markte tragen und seinen Stuhl einem Antiquar verkaufen. Doch da das Philosophieren die Welt weder erklären noch verändern kann, halfen mir meine Überlegungen in dieser prekären Situation reichlich wenig. Der Richter begann meine Personalien aufzunehmen. Die braucht man für den Qualitätsnachweis, erklärte er mir.
Als er hörte, dass ich Jude bin, fragte er: bist du beschnitten?
Ja.
Ich hebe das Urteil auf. Der Sattler hätte mir dir nur Flickarbeiten, sagte er und ließ mich springen. Ich bin mir wieder sehr wohl in meiner Haut.
Herzliche Grüße
Dein Neffe Ibrahim
Donnerstag, 4. Februar 2010
WO WAR GOTT?
Sollte einer der Holocaust-Leugner die Idee vertreten, Gott hätte das fürchterliche Leiden des jüdischen Volkes unter dem Hitler-Regime gutgeheißen, so würde man ihn wohl lebenslänglich in ein Irrenhaus sperren. Aber was dann, wenn dies von einem Rabbiner gepredigt wird? Am 5. August 2000 hat Rabbi Ovadia Yosef, der damalige geistige Anführer der ultraorthodoxen Shas-Partei ausgesagt, die sechs Millionen Holocaust-Opfer seien Sünder, die wieder gekommen seien, um ihre früheren Vergehen zu büssen. (Vgl. Neue Zürcher Zeitung, 7. August 2000). Mit anderen Worten hätte demnach Hitler nur das Urteil Yahwes ausgeführt. Welch ungeheuere Sünden mussten die Untertanen Gottes begangen haben, um auf solche Weise bestraft zu werden? Und welche Strafe gebührt einem Gott, der seinem Volk solches antut?
Dienstag, 2. Februar 2010
DER VERPOLTE AFFE KANN ZARTFÜHLEND SEIN
Blut fließen zu sehen war immer des Menschen Vergnügen. „Ein ganz besonderer Saft“ wäre Blut, heißt es schon im Faust. Es ist zwar sonderbar, doch eigentlich nicht überraschend, dass die Gläubigen der christlichen Religion darauf verfallen, das Blut ihres Erlösers zu schlürfen. Mit Blut werden Bünde besiegelt, Blut und nicht Gene begründet verwandtschaftliche Banden, Blut verlieh Rassen vermeintliche Überlegenheit und Blut sorgt heute noch für reine Beziehungen. Soll einer versuchen, bei orthodoxen Juden Mischehen einzuführen.
Die Freude, Blut fließen zu sehen war bei den alten Römern überaus beherrschend. Sie liebten die „venatio“, ein Wort, das eigentlich „Jagd“ bedeutet, doch auf die blutrünstige Tierhetzen angewandt wurde. Bei festlichen Anlässen veranstalteten gute Kaiser Schlachtorgien, wobei ab und zu tausende Tiere von Kämpfern niedergemetzelt oder von anderen Tieren zerfleischt wurden. Und der Plebs verfiel in Ekstase beim Anblick des Blutes, oder weniger poetisch gesagt, des Leidens. Doch die Empfindlichkeiten wurden geschont. Die Schergen verhüllten im Amphitheater zartfühlend die Statuen mit Tüchern, damit wenigstens diese die Hekatombe nicht ansehen mussten.
Das Leben ergötzt sich daran, Leben zu zerstören.
Die Freude, Blut fließen zu sehen war bei den alten Römern überaus beherrschend. Sie liebten die „venatio“, ein Wort, das eigentlich „Jagd“ bedeutet, doch auf die blutrünstige Tierhetzen angewandt wurde. Bei festlichen Anlässen veranstalteten gute Kaiser Schlachtorgien, wobei ab und zu tausende Tiere von Kämpfern niedergemetzelt oder von anderen Tieren zerfleischt wurden. Und der Plebs verfiel in Ekstase beim Anblick des Blutes, oder weniger poetisch gesagt, des Leidens. Doch die Empfindlichkeiten wurden geschont. Die Schergen verhüllten im Amphitheater zartfühlend die Statuen mit Tüchern, damit wenigstens diese die Hekatombe nicht ansehen mussten.
Das Leben ergötzt sich daran, Leben zu zerstören.
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