Shih Huang-ti ging in die Geschichte als erster Kaiser Chinas ein. Er eroberte und vereinigte die sieben um die Vorherrschaft kämpfenden Staaten und schwang sich zum Machthaber empor. Er vollbrachte große Taten und prägte entschlossen etwa vor 2270 Jahren die Geschichte. Seine Durchschlagskraft bewies er schon als Kind. Es wird berichtet, er hätte seinen Vater zum Selbstmord gezwungen und seine Mutter verfolgt. Er hatte sich so den Weg frei gemacht, den Thron des Vaters zu besteigen. Und dies mit erst zwölf Jahren.
Es gibt Leute, die sich über die Rohheit der heutigen Jugend beklagen.
Andere meinen, mit Chinesen über Menschrechte diskutieren zu können.
Mittwoch, 10. März 2010
Montag, 8. März 2010
DAS NADELÖHR
Im Kampf der Begehrlichkeiten prallen seit eh und je die Waffen der Habenichtse und der Besitzender aufeinander. Pierre-Joseph Proudhon und Karl Marx haben als erste die Situation der Besitzlosen systematisch analysiert, doch waren sie beileibe nicht die ersten, die sich mit dem sozialen Ungleichgewicht beschäftigt hatten. Tiberius Sempronius Gracchus, Jesus von Nazareth, Georg Dozsa und viele andere haben das altbekannte Problem thematisiert. Im Languedoc, dem südlichen Zentralfrankreich, begann 1397 ein sechsjähriger Guerillakrieg der hungernden Bauern gegen Adel und Geistlichkeit, den einer der Rebellenhäuptlinge unter dem leicht verständlichen Motto führte: "Wer weiche Hände hat, wird aufgeknüpft.“ (Vgl. W. Durant, Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 17. S. 129). Natürlich sahen es die Reichen damals wie heute anders. La Bruyère, französischer Schriftsteller zur Zeit Ludwigs XIV. fand es für richtig, dass es Arme gibt, denn sonst wäre es schwierig, Dienerschaft zu finden, und niemand würde in den Bergwerken arbeiten und auf den Äckern die Erde bestellen wollen. (W. Durant. a.a.O Bd. 23 S. 278).
Wenn man bedenkt, dass es in der ägyptischen Mythologie selbst im Jenseits Herren und Diener gab, so ist letzten Endes alles nur eine Frage des richtigen Pedigrees.
Vor Jahrzehnten habe ich in einer Studentenzeitung den – nicht ernst gemeinten – Streikaufruf lanciert, die Armen mögen durch Enthaltsamkeit auf die Zeugung der Nachkommenschaft verzichten. So müssten die Reichen ihren Kindern das Arbeiten beibringen. Doch jene „infernalische Peitsche“ (Schopenhauer), die den Menschen zur Fortpflanzung antreibt, vereitelt diese Lösung. Also zeugen arm und reich weiter, um einander gegenseitig umzubringen. Sowohl beim Proletariat wie auch bei der Herrscherklasse geht es um Diktatur: der Diktatur des Habenwollens.
Wenn man bedenkt, dass es in der ägyptischen Mythologie selbst im Jenseits Herren und Diener gab, so ist letzten Endes alles nur eine Frage des richtigen Pedigrees.
Vor Jahrzehnten habe ich in einer Studentenzeitung den – nicht ernst gemeinten – Streikaufruf lanciert, die Armen mögen durch Enthaltsamkeit auf die Zeugung der Nachkommenschaft verzichten. So müssten die Reichen ihren Kindern das Arbeiten beibringen. Doch jene „infernalische Peitsche“ (Schopenhauer), die den Menschen zur Fortpflanzung antreibt, vereitelt diese Lösung. Also zeugen arm und reich weiter, um einander gegenseitig umzubringen. Sowohl beim Proletariat wie auch bei der Herrscherklasse geht es um Diktatur: der Diktatur des Habenwollens.
Donnerstag, 4. März 2010
CALVIN IST TOT, ES LEBE CALVIN
Man wirft oft der katholischen Kirche Bevormundung der Gläubigen und Gewissensinquisition vor und übersieht oft, dass der Calvinismus sie weit hinter sich ließ. In alles mischte sich die klerikale Polizei ein, fast jede Äußerung natürlichen Lebensdrangs und unbefangenen Frohsinns wurde beargwöhnt, untersagt und bestraft. Auf Fluchen, Kegelspiel, laute Scherze, leichtsinnige Reden standen hohe Bussen, auf Ehebruch die Todesstrafe. (Vgl. Egon Friedell, Renaissance und Reformation, S. 299). Dieser Geist hat tiefe Wurzeln geschlagen und spukt noch heute in manch einem Kopf Genfs. Nur so lässt es sich erklären, dass ein verblendeter Zelot seine Polizei in ein Luxushotel ausrücken lässt, um den Sohn eines weltbekannten Tyrannen in Handschellen zu legen, weil dieser seine Diener verprügelt hatte, eine Tat, die er wohl jeden Tag und überall vollbringt. Der Polizeipräfekt befindet: Recht muss sein, Verhältnismäßigkeit ist keine Sache der Calvinisten. Zu diesem Hohlkopf gesellt sich schon bald ein Kollege, der ein Exempel statuieren will und die demütigenden Bilder der Verhaftung des Tyrannensohnes der Presse zuspielt. Die Presse ist Presse, sie hat noch nie darüber Gedanken verloren, ob die Veröffentlichung einer Nachricht angebracht ist, wenn sie nur die Lust nach Sensation befriedigt.
Und danach prallen harte, starre Köpfe aufeinander. Der Polizeipräfekt beharrt darauf, richtig gehandelt zu haben, denn sein Calvinistenschädel funktioniert wie Binärzahlen: „ja oder nein“. Ein „teilweise“ kennt er nicht. Der Fotolieferant versteckt sich feige, denn er spürt, dass er eine Tracht Prügel verdient hat. Ich persönlich würde ihm gerne einige Nettigkeiten antun. Der Cäsar der Kameltreiber indessen macht aus einer Lappalie eine Frage von Leben und Tod und würde am liebsten der Schweiz den Krieg erklären. Er rächt sich an Unschuldigen mit seiner widerlichen Mentalität, die, wer erinnert sich nicht mehr daran, einige bulgarische Krankenschwester, die in seinen verlausten Spitälern Dienst leisteten, zu Tode verurteilen ließ, um nicht zugeben zu müssen, dass in zivilisierten Ländern Tierkliniken weit höher stehen als seine Krankenhäusern. Er wollte auch den Vorschlag machen, die Schweiz zu vierteilen und die Strünke unter den Nachbarländern zu verteilen. In einem Punkt stimme ich ihm zu: Genf könnten wir gerne Sarkozy schenken.
Und danach prallen harte, starre Köpfe aufeinander. Der Polizeipräfekt beharrt darauf, richtig gehandelt zu haben, denn sein Calvinistenschädel funktioniert wie Binärzahlen: „ja oder nein“. Ein „teilweise“ kennt er nicht. Der Fotolieferant versteckt sich feige, denn er spürt, dass er eine Tracht Prügel verdient hat. Ich persönlich würde ihm gerne einige Nettigkeiten antun. Der Cäsar der Kameltreiber indessen macht aus einer Lappalie eine Frage von Leben und Tod und würde am liebsten der Schweiz den Krieg erklären. Er rächt sich an Unschuldigen mit seiner widerlichen Mentalität, die, wer erinnert sich nicht mehr daran, einige bulgarische Krankenschwester, die in seinen verlausten Spitälern Dienst leisteten, zu Tode verurteilen ließ, um nicht zugeben zu müssen, dass in zivilisierten Ländern Tierkliniken weit höher stehen als seine Krankenhäusern. Er wollte auch den Vorschlag machen, die Schweiz zu vierteilen und die Strünke unter den Nachbarländern zu verteilen. In einem Punkt stimme ich ihm zu: Genf könnten wir gerne Sarkozy schenken.
Mittwoch, 3. März 2010
MARK-ant
Ein Theologe dichtet: Vor dem Sündenfall fraßen die Tiere einander nur aus Liebe.
Jean Paul
Jean Paul
Sonntag, 28. Februar 2010
WIE HABAKUK DIE WELT ERLEBTE 11
Ich habe mich kürzlich auf meinem Wege verirrt. Wie gewöhnlich bin ich zur Siestazeit auf dem Rücken meiner Eselin eingenickt und verließ mich darauf, dass mich das Tier in der eingeschlagenen Richtung weiterführte. Ich musste dabei eine teure Wahrheit lernen: wer Eseln traut, ist selbst ein Esel. Die schlechte Ruhla ließ sich nämlich von einem mit Disteln überwachsenen Pfad verführen. Für ihren Magen hatte sie Treue und Gehorsam geopfert.
Als ich von meinem Nickerchen erwachte, war ich in einem endlosen Wald gründlichst verloren, nicht weniger, wie die Stecknadel im Heustock. Mit eindeutigen Gesten klärte ich die Eselin über meinen frustrierten Seelenzustand auf und beschloss den Weg zu suchen. (Hier muss ich einige Stunden überspringen, der unfeinen Ausdrücke wegen, die während dieser Zeit gefallen sind.)
Als wir am Abend immer noch im Wald waren, begann ich mich mit dem Gedanken abzufinden, dass ich die Nacht in der Wildnis, im schlimmsten Fall im Magen eines Raubtiers, verbringen musste. Bald schon schien mir die zweite Möglichkeit besonders wirklichkeitsnah, denn aus der Ferne war ein fremdartiges Heulen zu hören. Es schauderte mich ob dieses verzweifelten Gebrülls, das ähnlich tönte, wie die Angstschreie von vielen-vielen Menschen, die in den Rachen der wilden Tiere geraten sind.
Ich schlich mich an, in Richtung der Geräusche.
Nach einigen Umwegen stieß ich auf eine Waldlichtung. Das Bild, das mir sich hier bot, überraschte mich nicht wenig. Derweil ich Tiger erwartet hatte, Boaschlangen und wütende Elefanten, erblickte ich nur heulende Menschen, die sich am Boden wälzten, mit der Stirn gegen die Erde schlugen, die Arme verwarfen und lautstark zu leiden schienen. Mitten auf der Lichtung war ein großer Scheiterhaufen aufgetürmt, auf dem reglos ein Mann lag, offensichtlich tot.
„Eine Trauerfeier“, dachte ich erleichtert.
Ich hielt mich unbeachtet am Waldrand zurück. Mit Interesse verfolgte ich das beeindruckende Geschehen. Auf einen einzigen Wink des Zeremonienmeisters verstummten alle und erhoben sich. Der Dorfmagier nahm dann eine Frau bei der Hand und begleitete sie, von den schweigenden Blicken der Trauernden gefolgt, auf den Scheiterhaufen. Er band sie neben dem Toten an und stieg wieder mit feierlicher Würde hinunter.
Ich ahnte Schlimmes und wurde nervös. Ich stürmte vor und packte einen Mann am Arm und machte ihn auf die große Gefahr aufmerksam, der die Frau ausgesetzt war.
„Ich wollt doch nicht Feuer anlegen?“, sagte ich ihm warnend.
Er schaute mich verwirrt an.
„Warum nicht? Sie ist die Witwe des Verstorbenen“, sagte er mit großer Selbstverständlichkeit.
„Aber sie lebt noch“, verdeutlichte ich das Missverständnis.
„Sie muss sterben. Bei uns werden die Witwen mit ihren toten Ehemännern verbrannt.“
Ich schüttelte den Kopf. „Das ist ja Wahnsinn! Wie kommt ihr dazu?“
„Das Gesetz schreibt es vor.“, gab er mir zur Antwort. „So wird es verhindert, dass die Frauen ihre Ehemänner vergiften.“
Eine eigenartige Einrichtung, die Ehe, lieber Onkel Habakuk. Sie ist der Versuch zweier Menschen, einander glücklich zu machen: mit Giftbecher und Scheiterhaufen.
Als ich von meinem Nickerchen erwachte, war ich in einem endlosen Wald gründlichst verloren, nicht weniger, wie die Stecknadel im Heustock. Mit eindeutigen Gesten klärte ich die Eselin über meinen frustrierten Seelenzustand auf und beschloss den Weg zu suchen. (Hier muss ich einige Stunden überspringen, der unfeinen Ausdrücke wegen, die während dieser Zeit gefallen sind.)
Als wir am Abend immer noch im Wald waren, begann ich mich mit dem Gedanken abzufinden, dass ich die Nacht in der Wildnis, im schlimmsten Fall im Magen eines Raubtiers, verbringen musste. Bald schon schien mir die zweite Möglichkeit besonders wirklichkeitsnah, denn aus der Ferne war ein fremdartiges Heulen zu hören. Es schauderte mich ob dieses verzweifelten Gebrülls, das ähnlich tönte, wie die Angstschreie von vielen-vielen Menschen, die in den Rachen der wilden Tiere geraten sind.
Ich schlich mich an, in Richtung der Geräusche.
Nach einigen Umwegen stieß ich auf eine Waldlichtung. Das Bild, das mir sich hier bot, überraschte mich nicht wenig. Derweil ich Tiger erwartet hatte, Boaschlangen und wütende Elefanten, erblickte ich nur heulende Menschen, die sich am Boden wälzten, mit der Stirn gegen die Erde schlugen, die Arme verwarfen und lautstark zu leiden schienen. Mitten auf der Lichtung war ein großer Scheiterhaufen aufgetürmt, auf dem reglos ein Mann lag, offensichtlich tot.
„Eine Trauerfeier“, dachte ich erleichtert.
Ich hielt mich unbeachtet am Waldrand zurück. Mit Interesse verfolgte ich das beeindruckende Geschehen. Auf einen einzigen Wink des Zeremonienmeisters verstummten alle und erhoben sich. Der Dorfmagier nahm dann eine Frau bei der Hand und begleitete sie, von den schweigenden Blicken der Trauernden gefolgt, auf den Scheiterhaufen. Er band sie neben dem Toten an und stieg wieder mit feierlicher Würde hinunter.
Ich ahnte Schlimmes und wurde nervös. Ich stürmte vor und packte einen Mann am Arm und machte ihn auf die große Gefahr aufmerksam, der die Frau ausgesetzt war.
„Ich wollt doch nicht Feuer anlegen?“, sagte ich ihm warnend.
Er schaute mich verwirrt an.
„Warum nicht? Sie ist die Witwe des Verstorbenen“, sagte er mit großer Selbstverständlichkeit.
„Aber sie lebt noch“, verdeutlichte ich das Missverständnis.
„Sie muss sterben. Bei uns werden die Witwen mit ihren toten Ehemännern verbrannt.“
Ich schüttelte den Kopf. „Das ist ja Wahnsinn! Wie kommt ihr dazu?“
„Das Gesetz schreibt es vor.“, gab er mir zur Antwort. „So wird es verhindert, dass die Frauen ihre Ehemänner vergiften.“
Eine eigenartige Einrichtung, die Ehe, lieber Onkel Habakuk. Sie ist der Versuch zweier Menschen, einander glücklich zu machen: mit Giftbecher und Scheiterhaufen.
Mittwoch, 24. Februar 2010
HURRAH, WIR LIEBEN UNS 2
Am 6. August 2001 wurde in Alipur im Gliedstaat Uttar Pradesh in Nordindien auf dem Dach eines Hauses vor Hunderten von Zuschauern ein junges Liebespaar erhängt. Die Eltern des Paares waren bei der illegalen Hinrichtung dabei. Der Grund dieser Todesstrafe war, dass der 19-jährige Mann zu der höchsten Hindukaste, den Brahmanen gehört hatte, während seine 18-jährige Freundin aus der niederen Kaste der Jats stammte. (Vgl. Neue Zürcher Zeitung, 9. August 2001, S. 51) Eine unverzeihliche Missachtung von Sitte und Tradition in Indien. Sagen Sie bitte nicht, liebe Leser, Indien wäre ein unterentwickeltes Land. Es hat schließlich die Atombombe.
Samstag, 20. Februar 2010
DER FLUCH DER SCHÖNHEIT
Viele Menschen träumen davon, schön zu sein, so schön wie beliebte Filmschauspieler oder Fotomodelle. Einige geben dabei vieL, andere sogar sehr viel Geld aus, um schöner zu erscheinen. Der Wunsch nach Schönheit hatte zwar schon vor Jahrtausenden Techniken erfunden, das Äußere zurechzuhobeln, aber noch nie war die Schönheitsfabrik so produktiv wie heutzutage. Doch was dann, wenn die Schönheit zur Bürde wird? Als „zu schön“ für die Einreise nach Israel hat die Polizei des Flughafens Ben Gurion bei Tel Aviv eine russische Jüdin befunden und sie umgehend in ihr Heimatland zurückgeschickt. Die Frau erklärte, sie wolle nur ihren Onkel besuchen, doch sie konnte bei der Polizei keine Gnade erlangen. Selbst ihre in der Ankunftshalle wartende Familie durfte die Medizinstudentin nicht sprechen, bevor sie in ein Flugzeug nach Moskau steigen musste. (Neue Zürcher Zeitung, 29. Juli 1997)
Frage: verlangt die Staatsräson, dass eine Frau, um nach Israel einreisen zu dürfen, aussehen muss wie Golda Mair?
Frage: verlangt die Staatsräson, dass eine Frau, um nach Israel einreisen zu dürfen, aussehen muss wie Golda Mair?
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