Sonntag, 16. März 2014

Die Katze im Sack

Das Tagesblatt Gulf News berichtete von einem arabischen Botschafter, der in Dubai die edle Absicht hatte, zu heiraten. Eine alltägliche und recht gewöhnliche Sache, würde man meinen. Doch nicht so, wenn der Bräutigam seiner Auserwählten noch nie ins Gesicht blicken konnte, weil diese Burka-Trägerin ist. Erwartungsvoll stand der zukünftige Ehemann nach dem Jawort da, bereit sich zu verlieben, als die Braut den Niqab, die Kopfverhüllung des Ganzkörperschleiers lüftete. „Oh, my God“ mochte er ausgerufen haben, was auf arabisch etwa wie „marhalla Allaha“ tönen konnte. Was er da sah war eine arg schielende, hässliche Braut mit stark ausgeprägtem Gesichtshaar. Der Bräutigam wandte sich an das Gericht, ersuchte um Annullierung des Eheversprechens und verlangte für die erlittenen moralischen Schäden Entschädigung. Die Moral von der Geschicht, kauf die Katze im Sack nicht.

Freitag, 14. März 2014

Hexerei

Der Bischof von Exeter hatte für seine Diözese ein Pönitentialbuch, ein Strafgesetzbuch für Gläubige verfasst. Darin wurden alle Vergehen zusammengetragen, die dem Bischof nicht gefielen und seine Sicht von Rechtgläubigkeit verletzten. Es erhielt auch die Strafen, die dem Hirten für die Verfehlungen als angemessen erschienen. Unter anderem wurden Frauen der Hexerei beschuldigt und entsprechend bestraft, die behauptet hatten, sie könnten durch Zauberei und Beschwörungen den Männern den Kopf verdrehen. Hört, hört! Herr Bischof, vielleicht wussten Sie das nicht, aber dazu braucht es doch keine Hexerei.

Samstag, 8. März 2014

Imago Dei

Und Gott sprach; lasset uns den Menschen machen, nach unserem Bild, uns ähnlich. Und Gott schuf den Menschen, nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn, als Mann und Weib schuf er ihn. Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. (1. Moses, 1, 26 ff) Da stand einer vor dem Spiegel und betrachtete sich. So ist also der Antlitz Gottes, meinte er. Eine Nase, zwei Augen, die auf eine Brille angewiesen sind, zwei Ohren, schütteres Haar. Vielleicht schwitzen auch seine Füsse. Aber da fehlt doch das Weib. He, Frau, komm her, erst zu zweit sind wir wie Gott. Nein, du Banause, wandte der Priester ein, der das hörte. Das ist doch bildlich zu verstehen. Der Mann war verunsichert. Wie ist man bildlich dem Bilde Gottes gleich? Das Bild im Spiegel ist also nur bildlich zu verstehen? Ein Zank entfachte sich mit dem Theologen. Du darfst die Schrift nicht in Frage stellen, denn sie ist die Wahrheit. Ich stelle ja nichts in Frage, sondern nehme das Geschriebene sehr ernst. Wenn ich also nach dem Bilde Gottes geschaffen bin, dann ist ja Gott wie ich. Keiner wollte nachgeben, sie gerieten sich in die Haare. Zweitausend Jahre später kam einer namens Ludwig Feuerbach, ein Philosoph, der die Sache in ein neues Licht rückte. Nicht Gott hat den Menschen nach seinem Bild erschaffen, sondern der Mensch Gott. Bildlich auch diesmal, natürlich. Da liess sich das Bildliche schon besser vertreten. Denn wenn man den Charakter Gottes in den Schriften beachtet, so fällt es auf, dass er sehr menschliche Züge hat. Er ist gewalttätig, verlogen, launisch, eifersüchtig, rachsüchtig, inkohärent, eitel. Damit können wir schon besser leben. Doch wie kam es zu dieser Schöpfung? Unser guter alter Vorfahre schaute abends aus seiner Höhle und erschrak: ein grelles Licht erhellte den Himmel. Weib, was war denn das? fragte er seine Anvertraute. Noch bevor diese antworten konnte, war ein unheimliches Dröhnen und Krachen zu hören. Das muss was ganz Grosses, Mächtiges, Erzürntes sein, sagte die Frau. Nun wenn es so ist, dann wollen wir ihn "Gott" nennen. Und fortan war Gott für alles zuständig, was der alte Vorfahre nicht verstehen konnte: Tsunamis, Erdbeben, Überschwemmungen, Gewitter, Erdverwerfungen und vieles andere mehr. Die Lücken im Wissen des alten Vorfahrens musste Gott füllen. So hiess er auch "Lückenbüssergott". Doch da er diesen nicht anders vorstellen konnte, als jene, die um ihn waren, gab er ihm sehr menschliche Züge. Er schuf Gott nach seinem eigenen Bilde. Noch lange bevor Ludwig Feuerbach diese Einsicht hatte, kam ein alter Grieche auf die gleiche Idee. Schon vor zweitausend fünfhundert Jahren gab es Denker, die erkannt hatten, dass Götter ein anthropomorphes Konstrukt sind. So meinte Xenophanes: Wenn die Ochsen und Rosse und Löwen Hände hätten oder malen könnten mit ihren Händen und Werke bilden wie die Menschen, so würden die Rosse rossähnliche, die Ochsen ochsenähnliche Göttergestalten malen und solche Körper bilden, wie jede Art gerade selbst ihre Form hätte. Und Lukrez fügte etwa ein halbes Jahrtausend später hinzu: Die Angst ist die erste Mutter der Götter. Die Angst vor dem Unbekannten. Dunkelheit, Naturgewalten, Tod, Krankheit, Leiden, Ausmasse des Universums, all diese Phänomene riefen Gott auf den Plan, der dafür herhalten musste, dass der Mensch für seine Fragen keine Antworten fand. Doch der Mensch ist bekanntlich neugierig, ein suchendes Wesen. Er forscht auf allen Gebieten und findet immer mehr Antworten auf die geheimnisvollen Phänomene, die ihn umgeben. Gott muss nicht mehr für Blitz, Erdbeben, Überschwemmungen und Vulkanausbrüche bemüht werden. Die Gesetze der Natur wurden enthüllt, der „Lückenbüssergott“ immer stärker zurückgedrängt. Die Religionen versuchten sich dagegen anzustemmen. Wer nicht glauben wollte, musste daran glauben. Giftbecher, Scheiterhaufen, Verstümmelungen, Morde und im milderen Falle Vertreibungen sollten helfen, die „Ungläubigen“ zur Räson zu bringen. Oder zumindest die anderen davon abzuhalten, diesen verwegenen Gestalten zu folgen. Gott wurde zu jener Erfindung des Menschen, in dessen Namen er seinen Nächsten tötet. Doch die Bleibe des Lückenbüssergottes wurde immer enger. Verwegene Freidenker, nüchterne Wissenschaftler, aufgeklärte Künstler wagten es immer mehr, ihn zu verdrängen. Alle, die um jeden Preis an den vom Menschen erschaffenen Gott glauben wollen, entgegneten, dass es noch genügend ungeklärte Fragen im Leben gibt, um Gott nicht den Arbeitsvertrag zu künden. Was sie allerdings nicht sagen können, warum Gott diese Fragen beantworten würde. Und wie. Beharrlich halten sie fest, dass sie auf jeden Fall recht haben. Der Glaube erweist sich als die Kunst, sich bei den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Für die Theologen bleibt er jedoch die Bastion, die ihre Stellung verteidigt

Samstag, 1. März 2014

Was wäre wenn ...?

Wir meinen und sind daran gewöhnt, die Geschichte als zwingende Abfolge von vergangenen Ereignissen zu betrachten. Doch dies ist eine optische Täuschung, die nur in der Rückwärtsperspektive entsteht. Mit Blick nach vorne, in die unbekannte Zukunft, ist der Ablauf der Dinge Bahngeleisen mit unzähligen Schienen vergleichbar, die mit Weichen untereinander verflochten sind. Bei jeder dieser Weichen "entscheidet" die Geschichte über ihre Zukunft. Doch was wäre geschehen wenn...? Wenn Saulus auf dem Weg nach Damaskus nicht einen epileptischen Anfall gehabt hätte? Da wäre wohl das Christentum wie viele anderen Glaubensgemeinschaften nicht zur Weltreligion geworden. Oder wie dünn war der Faden, an dem das Schicksal der Zarin Katharina von Russland hing! Bei ihrem Staatsstreich gegen ihren unfähigen Gemahl Peter III. hatte ihr ein Kommando des Zaren Widerstand geleistet, die Soldaten hatten schon die Gewehre angelegt, um sie zu erschiessen, als unerwartet ein Major ausrief: "Hurra! Es lebe die Kaiserin". Begeistert liessen alle anderen Katharina hochleben, liessen ihre Gewehre sinken und retteten der zukünftigen grossen Herrscherin das Leben und der Welt ihre geschichtliche Rolle. Wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn der General Napoleons Emmanuel de Grouchy in der Schlacht von Waterloo sein Hirn benutzt hätte statt blind einen Befehl auszuführen, und damit die Niederlage in dieser entscheidenden Schlacht verhindert hätte, (so zumindest deutete Napoleon das Desaster um sein eigenes Versagen zu vertuschen)? Wenn die Bombe Stauffenbergs Hitler getötet hätte? Oder nehmen wir das abendländische Schisma der katholischen Kirche. Nach den drei "Gegenpäpsten", die alle Anspruch auf die Führung der Kirche erhoben, wurde nach vierzig Jahren Kampf offiziell Martin V. als Oberhaupt der Kirche anerkannt. Hätte aber einer der Schismatiker gesiegt, so wäre jener als rechtmäßiger Nachfolger Petri in die Geschichte eingegangen und dann wäre er unfehlbar geworden und hätte andere Dogmen erlassen können als sein Kollege. Man komme mir nicht mit Sprüchen wie "der Heilige Geist hat es so bestimmt", gäbe es ihn, so hätte er es nicht zugelassen, dass seine Kirche in ein solches Schlamassel geraten wäre.

Montag, 24. Februar 2014

Die Verblendung

Umar ibn al-Chattab, der mächtige Herrscher des Kalifats und ruhmreicher Eroberer, der das islamische Reich ausgeweitet hatte, war ein erfolgreicher Heerführer, dem die Legende nachsagt, er hätte die berühmte Bibliothek von Alexandria niederbrennen lassen. Was in den Büchern steht und nicht schon im Koran geschrieben wurde, wäre unnütz, soll er gesagt haben. Sollte etwas dem Koran widersprechen, so wäre dies sogar gefährlich. Also weg mit der Schund! Es ist nicht belegt, dass er diese Barbarei begangen hätte. Was allerdings belegt werden kann, ist dass es heute islamische Fanatiker gibt, die in einer solch absurden Gedankenwelt leben und die nur die Sprache von Bomben und Kalaschnikows kennen.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Habakuk beim Pfarrer

Mein lieber Onkel Habakuk. Auf meiner Reise kam ich im Jahr 1733 in ein kleines Dorf namens Etrépigny in der Champagne vorbei. Ich suchte eine Herberge, man wies mich an, beim Dorfpfarrer nachzufragen. Man sagte mir, dieser wäre ein heiligmässiger Mann, der ein strenges Leben der Abstinenz führte und jedes Jahr den Teil von seinem Gehalt an die Armen verteilte, der ihm sein bedürfnisloser Lebensstil übrig liess. Als ich bei ihm anklopfte, wurde ich von einer alten Haushälterin empfangen, die mich in sein Zimmer führte. Mit grossem Bedauern musste ich feststellen, dass der arme Mann krank darniederlag und ihm allem Anschein nach nur noch kurze Zeit auf diese Erde vergönnt war. Dennoch wies er mir mit schwacher Stimme ein Zimmer zu und forderte mich auf, mich zu erfrischen und dann zu ihm zu sitzen. Ich dachte, er würde bei mir Trost suchen, doch weit gefehlt! Mit grosser Gelassenheit teilte er mir mit, dass er nun bald sterben würde und lächelte mich verklärt an. Er zog unter seinem Kopfkissen ein Manuskript hervor und überreichte es mir. Er bat mich, es in Ruhe zu lesen und anschliessend wieder zu ihm zurückzukommen. Bereitwillig erfüllte ich ihm diesen letzten Wunsch. Ich zog mich also in meine Kammer zurück und begann zu lesen. Gross war meine Verblüffung, als ich mich in diese Schrift versenkte. Sie begann damit aufzuzeigen, dass die Bibel voller Widersprüche ist und die Wunder sowohl im Alten wie im Neuen Testament entweder frommer Schwindel oder falsch verstandene Naturerscheinungen waren. Die Unsterblichkeit der Seele war alles andere als ein Trost, nachdem ein fürchterlicher Gott nur die wenigsten Menschen mit dem Himmel belohnen würde, die meisten aber in die Hölle schickte. An einem solchen Gott könne ein denkender Mensch nicht glauben. "So müsst ihr also einsehen, ihr Theologen", hiess es, "dass euer Gott euren eigenen Prinzipen gemäss bösartiger ist, als der bösartigste der Menschen." Die Vorsehung wird mit schmeichelhaftem Lob für die aufmerksame Sorge gepriesen, die sie dem Schicksal der Menschen beschert. Doch das Menschengeschlecht ist ständig damit beschäftigt, sich vor den bösartigen Machenschaften dieser Vorsehung zu schützen, die sich angeblich nur um die Bewahrung ihres Glückes kümmert. Schliesslich holte der Verfasser zum Rundschlag gegen den Glauben aus. Welcher normale Mensch könnte glauben, dass Gott in der Absicht, sich mit der Menschheit zu versöhnen, seinen eigenen unschuldigen und makellosen Sohn opfern würde? Und es ging in diesem Stil weiter, wobei ich einsehen musste, dass alles vernünftig tönte. Am nächsten Morgen begab ich mich zu meinem Gastgeber, der ein wenig besser aussah, als bei meiner Ankunft. "Hast du in das Manuskript hineingeschaut?", war seine erste Frage. Als ich ihm diese bejahte, wollte er wissen, was ich davon hielte. Ich habe es mit Interesse, Überraschung und Anerkennung gelesen. Die Menschen glauben alles, wenn man es ihnen von klein auf eintrichtert. Aber wer in aller Welt gab Ihnen, dem Pfarrer, diese Schrift?, wollte ich von ihm wissen. Ich sage es dir, falls du mir versprichst, dass du das zu meinen Lebzeiten nicht weitersagst, aber wenn ich tot bin, musst du das Büchlein veröffentlichen. Ich hatte keinen Augenblick mit der Antwort gezögert und ihm versprochen, seinen Wunsch zu respektieren. Ich habe das verfasst, flüsterte er. Aber Sie waren doch Pfarrer, der seinen Schäflein den Glauben stärken musste. Ich habe ihnen gedient mit Liebe, Fürsorge, Verständnis und Geduld. Meine Moral kommt nicht von diesem monströsen Gott, den die Kirche predigt, sondern von der Einsicht in die Not des Menschen. Danach schwiegen wir lange. Ich fragte ihn, als ich ging: wie heissen Sie Herr Pfarrer. Nenne mich nicht Herr Pfarrer. Jean Meslier ist mein Name. Verbrennt den Schund und die Leiche dieses Ketzers, rief der Papst, als er viel später die Schrift las. Recht hat er. Nachdenken ist bei den Theologen nämlich verboten, mein lieber Onkel Habakuk. Ich Grüsse dich herzlich Dein Neffe Ibrahim

Sonntag, 16. Februar 2014

Ungerechte Welt

Eines der fruchtbarsten Betätigungsfelder der menschlichen Phantasie liegt im Erfinden der grausamsten Torturmethoden. Die zahllosen Bücher, Bilder, Erzählungen, Museen bringen uns das unermessliche Leid vor Augen, die der Starke dem Schwachen zugefügt hat. Hass, Rache, Machtgier, Intoleranz, Glaubensfanatismus und andere Schwachstellen menschlicher Psyche forderten ihren Tribut. Ich will hier nicht in sadistischer Lust auf die Einzelfälle eingehen, meine Feinfühligkeit erträgt so etwas nicht. Ich habe mit allen, die Folterungen erleiden müssen, grosses Bedauern. Oder mit fast allen. Wo sind die Grenzen meines Mitgefühls? Die Presse berichtet über die Klagen des norwegischen Mörders Anders Behring Breivik, der insgesamt 77 Menschenleben auf dem Gewissen hat und im Gefängnis einen Hungerstreik begann, weil er Tortur erleiden müsse. Diese Qual rühre von der niedrigen Lebensqualität wegen den Haftbedingungen her. Man möge seine Playstation 2 mit dem neueren Modell und seine zu simplen Videospiele mit deftigen ersetzen. Schliesslich würde er sich im Gefängnis "beispielhaft" aufführen. Welche Tortur! Wohlgemerkt, er wollte während der Gerichtsverhandlung unbedingt als zurechnungsfähig bewertet werden.