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Samstag, 8. März 2014
Imago Dei
Und Gott sprach; lasset uns den Menschen machen, nach unserem Bild, uns ähnlich. Und Gott schuf den Menschen, nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn, als Mann und Weib schuf er ihn. Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. (1. Moses, 1, 26 ff)
Da stand einer vor dem Spiegel und betrachtete sich. So ist also der Antlitz Gottes, meinte er. Eine Nase, zwei Augen, die auf eine Brille angewiesen sind, zwei Ohren, schütteres Haar. Vielleicht schwitzen auch seine Füsse. Aber da fehlt doch das Weib. He, Frau, komm her, erst zu zweit sind wir wie Gott. Nein, du Banause, wandte der Priester ein, der das hörte. Das ist doch bildlich zu verstehen.
Der Mann war verunsichert. Wie ist man bildlich dem Bilde Gottes gleich? Das Bild im Spiegel ist also nur bildlich zu verstehen? Ein Zank entfachte sich mit dem Theologen. Du darfst die Schrift nicht in Frage stellen, denn sie ist die Wahrheit. Ich stelle ja nichts in Frage, sondern nehme das Geschriebene sehr ernst. Wenn ich also nach dem Bilde Gottes geschaffen bin, dann ist ja Gott wie ich. Keiner wollte nachgeben, sie gerieten sich in die Haare.
Zweitausend Jahre später kam einer namens Ludwig Feuerbach, ein Philosoph, der die Sache in ein neues Licht rückte. Nicht Gott hat den Menschen nach seinem Bild erschaffen, sondern der Mensch Gott. Bildlich auch diesmal, natürlich. Da liess sich das Bildliche schon besser vertreten. Denn wenn man den Charakter Gottes in den Schriften beachtet, so fällt es auf, dass er sehr menschliche Züge hat. Er ist gewalttätig, verlogen, launisch, eifersüchtig, rachsüchtig, inkohärent, eitel. Damit können wir schon besser leben. Doch wie kam es zu dieser Schöpfung?
Unser guter alter Vorfahre schaute abends aus seiner Höhle und erschrak: ein grelles Licht erhellte den Himmel. Weib, was war denn das? fragte er seine Anvertraute. Noch bevor diese antworten konnte, war ein unheimliches Dröhnen und Krachen zu hören. Das muss was ganz Grosses, Mächtiges, Erzürntes sein, sagte die Frau. Nun wenn es so ist, dann wollen wir ihn "Gott" nennen. Und fortan war Gott für alles zuständig, was der alte Vorfahre nicht verstehen konnte: Tsunamis, Erdbeben, Überschwemmungen, Gewitter, Erdverwerfungen und vieles andere mehr. Die Lücken im Wissen des alten Vorfahrens musste Gott füllen. So hiess er auch "Lückenbüssergott". Doch da er diesen nicht anders vorstellen konnte, als jene, die um ihn waren, gab er ihm sehr menschliche Züge. Er schuf Gott nach seinem eigenen Bilde.
Noch lange bevor Ludwig Feuerbach diese Einsicht hatte, kam ein alter Grieche auf die gleiche Idee.
Schon vor zweitausend fünfhundert Jahren gab es Denker, die erkannt hatten, dass Götter ein anthropomorphes Konstrukt sind. So meinte Xenophanes: Wenn die Ochsen und Rosse und Löwen Hände hätten oder malen könnten mit ihren Händen und Werke bilden wie die Menschen, so würden die Rosse rossähnliche, die Ochsen ochsenähnliche Göttergestalten malen und solche Körper bilden, wie jede Art gerade selbst ihre Form hätte. Und Lukrez fügte etwa ein halbes Jahrtausend später hinzu: Die Angst ist die erste Mutter der Götter. Die Angst vor dem Unbekannten. Dunkelheit, Naturgewalten, Tod, Krankheit, Leiden, Ausmasse des Universums, all diese Phänomene riefen Gott auf den Plan, der dafür herhalten musste, dass der Mensch für seine Fragen keine Antworten fand. Doch der Mensch ist bekanntlich neugierig, ein suchendes Wesen. Er forscht auf allen Gebieten und findet immer mehr Antworten auf die geheimnisvollen Phänomene, die ihn umgeben. Gott muss nicht mehr für Blitz, Erdbeben, Überschwemmungen und Vulkanausbrüche bemüht werden. Die Gesetze der Natur wurden enthüllt, der „Lückenbüssergott“ immer stärker zurückgedrängt. Die Religionen versuchten sich dagegen anzustemmen. Wer nicht glauben wollte, musste daran glauben. Giftbecher, Scheiterhaufen, Verstümmelungen, Morde und im milderen Falle Vertreibungen sollten helfen, die „Ungläubigen“ zur Räson zu bringen. Oder zumindest die anderen davon abzuhalten, diesen verwegenen Gestalten zu folgen. Gott wurde zu jener Erfindung des Menschen, in dessen Namen er seinen Nächsten tötet. Doch die Bleibe des Lückenbüssergottes wurde immer enger. Verwegene Freidenker, nüchterne Wissenschaftler, aufgeklärte Künstler wagten es immer mehr, ihn zu verdrängen. Alle, die um jeden Preis an den vom Menschen erschaffenen Gott glauben wollen, entgegneten, dass es noch genügend ungeklärte Fragen im Leben gibt, um Gott nicht den Arbeitsvertrag zu künden. Was sie allerdings nicht sagen können, warum Gott diese Fragen beantworten würde. Und wie. Beharrlich halten sie fest, dass sie auf jeden Fall recht haben. Der Glaube erweist sich als die Kunst, sich bei den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Für die Theologen bleibt er jedoch die Bastion, die ihre Stellung verteidigt
Montag, 24. Februar 2014
Die Verblendung
Umar ibn al-Chattab, der mächtige Herrscher des Kalifats und ruhmreicher Eroberer, der das islamische Reich ausgeweitet hatte, war ein erfolgreicher Heerführer, dem die Legende nachsagt, er hätte die berühmte Bibliothek von Alexandria niederbrennen lassen. Was in den Büchern steht und nicht schon im Koran geschrieben wurde, wäre unnütz, soll er gesagt haben. Sollte etwas dem Koran widersprechen, so wäre dies sogar gefährlich. Also weg mit der Schund! Es ist nicht belegt, dass er diese Barbarei begangen hätte. Was allerdings belegt werden kann, ist dass es heute islamische Fanatiker gibt, die in einer solch absurden Gedankenwelt leben und die nur die Sprache von Bomben und Kalaschnikows kennen.
Montag, 3. Februar 2014
Götterdämmerung
Die katholische Kirche verkam während der Renaissance zu einer reinen Genussgenossenschaft. Die horrenden Ausgaben für Bauten und Kunst und klerikalen Pomp, deren Werke wir heute noch bewundern können, waren gewiss nicht mit dem Ideal der von den Kanzeln gepredigten Armut und Demut vereinbar. Die Kriege einiger Päpste standen in krassem Widerspruch zur Lehre des friedliebenden Religionsgründers. Die ausgelebte Wollust der Kirchenfürsten entsprang zwar menschlicher Triebhaftigkeit, spottete aber der kirchlichen Forderung nach Keuschheit, Reinheit und sexueller Entsagung. Wen wundert es, dass sich die ehrlichen Gläubigen gegen die Missstände erhoben und das christliche Leben von Verunreinigung und Üppigkeit reinigen wollten. Die Radikalen indessen rutschen in ihrem Eifer, wie oft bei solchen Übungen, auf die andere Seite vom Ross. Sie stellten alles in Frage. Sie betraten einen Raum ohne Gott und merkten, dass es hier wohnlich aussah. Die Zügellosigkeit gebar das Freidenkertum, Gott ist auf dem Rückzug und es ist nur einer Frage der Zeit, wenn endgültig mit Nietzsche verkündet werden kann, dass Gott tot ist.
Montag, 27. Januar 2014
Teufel à go-go
Die Taliban, diese verblendeten Mörder im Namen eines erfundenen Gottes haben ihre eigenen Kriterien, die Errungenschaften der Moderne in „westliches Teufelszeug“ und in Allahs Gabe einzuordnen. Sprengstoff, Kalaschnikows, Handgranaten, Giftbomben und andere Mordwerkzeuge gelten als gottgefällig. Die Polioimpfung, die Kinderlähmung verhindert und Menschen vor Tod und Entstellung rettet, ist aber westliches Teufelszeug. Versteht sich von selbst, nicht wahr? Deshalb bringen sie systematisch die armen Krankenschwestern um, die die Impfung an Kinder verabreichen. Der Oppositionsführer in Pakistan, Bilawal Bhutto meinte, die Krankheit könne dann ausgerottet werden, wenn die Taliban ausgerottet seien. Viel Erfolg, Herr Bhutto!
Mittwoch, 8. Januar 2014
In Gottes Namen
Gott ist ein grosser Lieferant von Kriegen und von Verbrechen aller Art. (Jean d’Ormesson)
Mittwoch, 1. Januar 2014
Paradiesisch
Auf der Wunschliste menschlicher Psyche steht das Glück. Philosophen, Ideologen, Theologen, Diktatoren, Politiker und sonstige Gaukler haben die Menschen stets mit dem Versprechen gefüttert, ihnen das Glück zu schenken. Die Dreisten stellten in Aussicht, dies auf Erden zu tun, die vorsichtigeren Schwindler bieten es im Jenseits an. Die Ersten müssen wir nicht widerlegen, sie tun das selbst. Die zweite Kategorie ist schwerer zu fassen, denn niemand konnte berichten, wie es nach dem Tode aussieht. Da ist der Phantasie freier Ausgang gewährt, und weil doch oft der Wunsch Vater des Gedankens ist, neigt der Mensch dazu, um der Hoffnung nach Glück willen, an Unsinn zu glauben, selbst wenn er nur eine Fata Morgana ist.
Da die Zeitlichkeit des Menschen Los ist, kann er auch im Paradies nur in die Zeit eingebunden sein. „Zeitlos“ würden wir sinnlich nicht wahrnehmen können, wir wären um den Lohn auf immer betrogen. Die Verheissung ist nämlich nicht, in einem anderen Zustand zu leben, die Auferstehung ist mit dem Körper und den Sinnen geplant, schon deshalb, weil dadurch die Verdammten ewig brennen und leiden können. Die Zeit läuft aber, zumindest für den Menschen, nur in eine Richtung. Es wird aber spannend sein zu erleben, wie die „ewige“ Zeit aussehen wird. Woody Allen spöttelt mit schelmischem Augenzwinkern: die Ewigkeit ist sehr lang, besonders gegen das Ende. Wird Ewigkeit in Stunden gemessen? In Minuten, Sekunden, Jahren? Statt Geburtstage werden dann die Menschen ihren Auferstehungstag feiern. Wie sieht ein hundert Millionen alter Mensch aus?
Bekanntlich verbraucht der Körper selbst im Ruhezustand Kalorien. Also muss der Mensch auch im Paradies mit Energie versorgt werden, wie auf Erden. Ernährung und Stoffwechsel sind also auch im Jenseits nötig. Wer reinigt die Toiletten im Paradies? Die Engel? Wer schneidet mir die Haare? Coiffeurengel?
Theologen haben auch darüber gerätselt, ob wir als Bébé, als junge Menschen, oder, da wir in der Ewigkeit ohnehin uralt werden, als Greise auferstehen. Mit oder ohne unseren Gebrechen? Wie wird unser Gehirn ausgestattet? Kommen da die vielen Gehirnzellen mit, die während des Lebens vom Alkohol vernichtet wurden? Oder werden zur Strafe der Säufer diese Zellen nicht ersetzt?
Andere Theologen hatten sich dagegen gewehrt, die Frauen ins Paradies einziehen zu lassen. Sie sollen doch freundlicherweise vorher paradieskonform werden und sich von Gott in Männer umwandeln lassen, damit sie das Bürgerrecht für das Land der Seligkeit erlangen.
Unendlich viele Fragen bedrängen uns, wir würden uns gerne auf das Paradies vorbereiten, doch die Konturen der Verheissung sind verschwommen, es ist nicht klar, wie es sein wird, im ewigen Leben.
Die Seelsorger meinen, wichtig sei nur, daran fest zu glauben. Ihr werdet es schon sehen, wenn es so weit ist!
Und wenn nicht, dann habt ihr eben Pech gehabt.
Montag, 13. Februar 2012
Das kann man auch so sehen
Ein alter Weiser, Jean d'Ormesson versucht die Welt zu verstehen und stellt fest, dass sie schließlich eine merkwürdige Sache ist, diese Welt. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, meinte Sokrates und sprach damit die wohl einzig zutreffende Sicht von menschlichem Verstehen aus. Zwar hat der Mensch Zusammenhänge entdeckt, Regelmäßigkeiten, Abhängigkeiten, Naturgesetze, Ursachen und Wirkungen und die Unermesslichkeit des Universums. Doch was dahinter steckt, was Zeit ist und Raum, Bewegung und Anziehungskraft und weitere unzählbare Phänomene, das entzieht sich seinem intellektuellen Zugriff. Das einzusehen ist Demut, dabei nicht zu verzweifeln ist Zuversicht. D'Ormesson fasst dies so zusammen:
Im Labyrinth des Lebens klammere ich mich an einen vierfachen Faden:
Die Bewunderung. Ich war von der Welt und insbesondere vom Umstand zu sein, stets verblüfft. Ich habe eine riesige Fähigkeit zur Bewunderung.
Die Dankbarkeit. Ich möchte jemandem danken. Aber wem?
Die Fröhlichkeit. Als ich noch jung war, verachtete ich die Alten, die die Jungen immer belehren wollten. Ich versuche, fröhlich zu bleiben, nicht salbungsvoll zu sein und über mich und den anderen zu lachen.
Die Hoffnung. Die Menschen können nichts über den Tod, über die Ewigkeit, über dem Unendlichen, über Gott wissen. Aber sie haben das Recht zu hoffen. Kurz: es gibt in dieser Welt etwas anderes.
Ja Leute, das geht uns alle etwas an!
Im Labyrinth des Lebens klammere ich mich an einen vierfachen Faden:
Die Bewunderung. Ich war von der Welt und insbesondere vom Umstand zu sein, stets verblüfft. Ich habe eine riesige Fähigkeit zur Bewunderung.
Die Dankbarkeit. Ich möchte jemandem danken. Aber wem?
Die Fröhlichkeit. Als ich noch jung war, verachtete ich die Alten, die die Jungen immer belehren wollten. Ich versuche, fröhlich zu bleiben, nicht salbungsvoll zu sein und über mich und den anderen zu lachen.
Die Hoffnung. Die Menschen können nichts über den Tod, über die Ewigkeit, über dem Unendlichen, über Gott wissen. Aber sie haben das Recht zu hoffen. Kurz: es gibt in dieser Welt etwas anderes.
Ja Leute, das geht uns alle etwas an!
Montag, 26. September 2011
Der christliche Taliban
Politiker füttern die Menschen mit Illusionen.
Missionare füllen ihre Illusionen mit Menschen.
Sind sie schon je einzeln unausstehlich, so bewirken sie vereint Brechreiz. Der Gipfel von Widerlichkeit ist, wenn ein Richter die Rolle beider übernimmt. Wie kürzlich in Alabama geschehen. Bay Minette verurteilt Missetäter wegen Gesetzesübertretungen zu Gefängnisstrafen oder Geldbussen, wandelt aber sogleich das Urteil ab, falls ein Angeklagter sich verpflichtet, ein Jahr lang unter Polizeiaufsicht jeden Sonntag in die Kirche zu gehen. (Vgl. Corriere del Ticino, 26. September 2011, S. 36). „Glaubst du, was ich glaube, dann stehst du über dem Gesetz. Und aus diesem Grunde haue ich Juden, Muslims, Hindus, Buddhisten und andere Teufelsgeburten in den Knast. Und Atheisten gehören auch ohne andere Verbrechen ohnehin ins Gefängnis, meine ich.“
Missionare füllen ihre Illusionen mit Menschen.
Sind sie schon je einzeln unausstehlich, so bewirken sie vereint Brechreiz. Der Gipfel von Widerlichkeit ist, wenn ein Richter die Rolle beider übernimmt. Wie kürzlich in Alabama geschehen. Bay Minette verurteilt Missetäter wegen Gesetzesübertretungen zu Gefängnisstrafen oder Geldbussen, wandelt aber sogleich das Urteil ab, falls ein Angeklagter sich verpflichtet, ein Jahr lang unter Polizeiaufsicht jeden Sonntag in die Kirche zu gehen. (Vgl. Corriere del Ticino, 26. September 2011, S. 36). „Glaubst du, was ich glaube, dann stehst du über dem Gesetz. Und aus diesem Grunde haue ich Juden, Muslims, Hindus, Buddhisten und andere Teufelsgeburten in den Knast. Und Atheisten gehören auch ohne andere Verbrechen ohnehin ins Gefängnis, meine ich.“
Montag, 20. Juni 2011
Jahwes helle Köpfe
Kürzlich wurde ich gefragt, wann das „dunkle Mittelalter“ aufgehört hatte. „Wie dunkel?“, war meine Gegenfrage. „Und wo?“
Vielleicht gibt es Menschen, die denken, dass die „Dunkelheit“ des Mittelalters eine Art Polarnacht war, wo die Leute bleich und blutleer ohne Sonnenlicht ihr Dasein fristeten. Doch nein, die Sonne ging damals wie heute am Morgen auf und am Abend unter. Doch die Dunkelheit machte sich in den Köpfen breit. Und deshalb ist die zweite Frage nach dem Wo sehr angebracht. Denn in vielen Köpfen herrscht selbst heute noch Finsternis.
Ein Rabbiner-Gericht in Jerusalem wollte ein Urteil fällen über einen streunenden Hund. Die Gottesmänner erachteten es als erwiesen, dass dieses Tier die Reinkarnation eines vor zwanzig Jahren verstorbenen, nicht religiösen Anwalts war, der damals das Gericht beleidigt hatte. Es versteht sich von selbst, dass ein solch teuflisches Tier auf der Strasse Panik auslösen musste.
Das Rabbiner-Gericht beriet und urteilte mit reinem Gewissen: Todessstrafe durch Steinigung, ausgeführt durch Kinder. Doch wer kann schon den Teufel bestrafen? Nicht einmal die weisen Rabbiner. Der nicht religiöse Anwalt, alias Teufel, alias streunender Hund überlistete Jahwes Minister. Er entwischte ihnen und raubte den armen Kindern das Vergnügen der Steinigung. Jetzt warten wohl die Rabbiner auf die neue Reinkarnation des gottlosen Anwalts.
(Vgl. NZZ am Sonntag, 19.Juni 2011, S. 3)
Vielleicht gibt es Menschen, die denken, dass die „Dunkelheit“ des Mittelalters eine Art Polarnacht war, wo die Leute bleich und blutleer ohne Sonnenlicht ihr Dasein fristeten. Doch nein, die Sonne ging damals wie heute am Morgen auf und am Abend unter. Doch die Dunkelheit machte sich in den Köpfen breit. Und deshalb ist die zweite Frage nach dem Wo sehr angebracht. Denn in vielen Köpfen herrscht selbst heute noch Finsternis.
Ein Rabbiner-Gericht in Jerusalem wollte ein Urteil fällen über einen streunenden Hund. Die Gottesmänner erachteten es als erwiesen, dass dieses Tier die Reinkarnation eines vor zwanzig Jahren verstorbenen, nicht religiösen Anwalts war, der damals das Gericht beleidigt hatte. Es versteht sich von selbst, dass ein solch teuflisches Tier auf der Strasse Panik auslösen musste.
Das Rabbiner-Gericht beriet und urteilte mit reinem Gewissen: Todessstrafe durch Steinigung, ausgeführt durch Kinder. Doch wer kann schon den Teufel bestrafen? Nicht einmal die weisen Rabbiner. Der nicht religiöse Anwalt, alias Teufel, alias streunender Hund überlistete Jahwes Minister. Er entwischte ihnen und raubte den armen Kindern das Vergnügen der Steinigung. Jetzt warten wohl die Rabbiner auf die neue Reinkarnation des gottlosen Anwalts.
(Vgl. NZZ am Sonntag, 19.Juni 2011, S. 3)
Samstag, 11. Juni 2011
Der lächelnde Scharfrichter
Einer, der (im Namen Gottes!) durch seine zwar fragliche, doch einflussreiche Autorität Millionen dazu zwingt, auf die bewährten Mittel der Geburtenverhütung zu verzichten und sie auffordert auch dort Kinder zu zeugen, wo sie dem sicheren Hungerstod ausgeliefert sind, sollte wegen Völkermord vor Gericht gestellt werden.
Neben Radovan Karadzic, Slobodan Milosevic und Ratko Mladic, Idelphonse Nizeyimana, Charles Taylor und anderen Schergen sollte Joseph Ratzinger auch nach Den Haag ausgeliefert werden.
Neben Radovan Karadzic, Slobodan Milosevic und Ratko Mladic, Idelphonse Nizeyimana, Charles Taylor und anderen Schergen sollte Joseph Ratzinger auch nach Den Haag ausgeliefert werden.
Donnerstag, 20. Mai 2010
HAUPTSACHE, WIR GLAUBEN ES ...
Anfang Dezember 1978 fand in Barcelona ein internationaler Kongress statt. Zu den wichtigsten Stars gehörten der Phantomologe John J. Cutten, der Vampirologe Bernard Davis, die britische Hexe Patricia Crowther aus Yorkshire und die französische Krisallkugelexpertin Lena de Saint-Clair. Misters Crowther erläuterte den 300 Teilnehmern die Geheimnisse von Mondritualen und Trancezuständen, Madame de Saint-Clair hielt Kurse im Handlesen und Hellsehen mittels Kristallkugeln und lehrte die Kunst, in die Zukunft zu blicken. Da war einiges los. Hexensabbat, nächtliche Flüge, Metamorphosen sorgten für spannende Unterhaltung. Große Beachtung fanden die Erklärungen des Vorsitzenden an einer Pressekonferenz. Felix LLauge, so hieß der ehrenwerte Kongresspräsident, erklärte den Medien, die Spezialisten wollten Europa klarmachen, dass ihre Religion – sic! – älter als das Christentum sei und alle Verfolgungen von seiten der offiziellen Religionen und Diktaturen überstanden habe. Die Hexerei sei mit der Befreiung des Menschen – hört, hört! – eng verbunden.
Wer sich jetzt ein süffisantes Lächeln erlaubt, möge sich fragen, warum der Glaube dieser Okkultisten weniger ernst zu nehmen ist als jener an Jahwe, Allah und Dreifaltigkeit, an Hölle, Fegfeuer, Paradies, Auferstehung, Gesetzestafeln, das Buch Mormon, Feuerzungen und andere Inhalte.
Ich weiß wie die Antwort lautet: „weil mein Glaube eben wahr ist“.
Wer sich jetzt ein süffisantes Lächeln erlaubt, möge sich fragen, warum der Glaube dieser Okkultisten weniger ernst zu nehmen ist als jener an Jahwe, Allah und Dreifaltigkeit, an Hölle, Fegfeuer, Paradies, Auferstehung, Gesetzestafeln, das Buch Mormon, Feuerzungen und andere Inhalte.
Ich weiß wie die Antwort lautet: „weil mein Glaube eben wahr ist“.
Freitag, 14. Mai 2010
SIMPLEX SIGILLUM VERI
Erdbeben sind eine Strafe Gottes. Das wussten schon die Urmenschen und daran hat sich während der letzten zehntausend Jahre trotz sturen Behauptungen der Naturwissenschaftler nichts geändert. Dies weiß jedenfalls der Ayatollah Ahmed Djannati aus Irak. Und den Grund kennt er auch: Gott zürnt wegen des unzüchtigen Verhaltens von Frauen, die Männer zu Unkeuschheit verführen und in der Gesellschaft Unzucht verbreiten. Doch heißt es doch so treffend: ist die Not am höchsten, ist die Rettung am nächsten. Der Ayatollah kennt ein Rezept: Gebete und Almosen würden die Erdstöße verhindern. (NZZ am Sonntag, 25. April 2010, S. 3).
Eigentlich würde der Vatikan gut daran tun, dieses Patent zu kopieren. Dann könnten die Gläubigen um die Wette beten und üppige Almosen nach Rom schicken, wodurch die Bevölkerung von Haiti vor Erdbeben geschützt wäre. Jemand sollte das dem Ayatollah Ratzinger vorschlagen.
Eigentlich würde der Vatikan gut daran tun, dieses Patent zu kopieren. Dann könnten die Gläubigen um die Wette beten und üppige Almosen nach Rom schicken, wodurch die Bevölkerung von Haiti vor Erdbeben geschützt wäre. Jemand sollte das dem Ayatollah Ratzinger vorschlagen.
Sonntag, 11. April 2010
TAUSCHGESCHÄFTE
Im indischen Gliedstaat Gujarat hat ein Mann seine jugendliche Tochter enthauptet. Eine Gottheit sprach zu ihm im Traum und verlangte ein Menschenopfer. Daraufhin nahm der gottesfürchtige ein Beil und schlug damit der Tochter den Kopf ab. (Neue Zürcher Zeitung, 3. Mai, 1994. S. 13) Wiederum in Indien, im Unionsstaat Tripura haben zwei Männer eine Frau enthauptet und damit einem Gott ein Menschenopfer dargebracht. Dieser sollte ihnen aus Dankbarkeit den Weg zu einem Schatz offenbaren. (Neue Zürcher Zeitung, 19./20 Februar 200, S. 64) Mit Göttern Geschäfte zu machen ist aber eine windige Sache. Opfer, Gebete, Spenden, Gelübden werden unzählige Male eingesetzt. Dummerweise sind aber Götter chronisch wortbrüchig. Dabei wäre es doch so bequem, mit ihnen ins Geschäft zu kommen. Sie können so viel, mit ihrer großen Macht.
Donnerstag, 11. März 2010
WAS MAN FÜR GÖTTER ALLES TUN MUSS
Die sozialen Schikanen, denen die Frauen in der Geschichte oft ausgesetzt waren und heute noch sind, haben mannigfaltige Formen angenommen. Herodot berichtet von einer Pflicht, die die Assyrer ihren Frauen aufgebürdet hatten. Jedes Weib des Landes müsse in seiner Lebenszeit einmal ins Heiligtum der Mylitta wandern (so hieß bei ihnen die Göttin Aphrodite) und sich dort irgendeinem fremden Manne preisgeben, berichtet er. Die Vorschrift sah vor, dass eine Frau, die sich einmal dort niedergesetzt hatte, solange nicht nach Hause gehen durfte, bis einer der Fremden ihr ein Geldstück in den Schoss geworfen und ihr danach außerhalb des Heiligtums beigewohnt hat. Das Geld erhielt die Göttin, die Freude der Fremde Mann und die Bescherung die Frau. Es wird auch erwähnt, dass die Schönen natürlich schon nach kurzer Zeit ihre skurrile Pflicht erfüllt hatten. Nicht so aber die armen Hässlichen. Einige mussten viele Jahre auf die Erlösung warten und hatten wohl die Launen der Göttin im Herzen verflucht. (Vgl. Herodot, Historien, Bd.1/199, Übers. A Horneffer, Kroener). In dieser Gegend hat man bis heute nicht verstanden, dass die stärkeren Muskeln der Männer noch lange kein Beweis für ihre umfassende Überlegenheit ist.
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