Montag, 3. Februar 2014

Götterdämmerung

Die katholische Kirche verkam während der Renaissance zu einer reinen Genussgenossenschaft. Die horrenden Ausgaben für Bauten und Kunst und klerikalen Pomp, deren Werke wir heute noch bewundern können, waren gewiss nicht mit dem Ideal der von den Kanzeln gepredigten Armut und Demut vereinbar. Die Kriege einiger Päpste standen in krassem Widerspruch zur Lehre des friedliebenden Religionsgründers. Die ausgelebte Wollust der Kirchenfürsten entsprang zwar menschlicher Triebhaftigkeit, spottete aber der kirchlichen Forderung nach Keuschheit, Reinheit und sexueller Entsagung. Wen wundert es, dass sich die ehrlichen Gläubigen gegen die Missstände erhoben und das christliche Leben von Verunreinigung und Üppigkeit reinigen wollten. Die Radikalen indessen rutschen in ihrem Eifer, wie oft bei solchen Übungen, auf die andere Seite vom Ross. Sie stellten alles in Frage. Sie betraten einen Raum ohne Gott und merkten, dass es hier wohnlich aussah. Die Zügellosigkeit gebar das Freidenkertum, Gott ist auf dem Rückzug und es ist nur einer Frage der Zeit, wenn endgültig mit Nietzsche verkündet werden kann, dass Gott tot ist.

Donnerstag, 30. Januar 2014

Nicht nur Engel haben Flügel

Der kürzlich zurückgetretene Bischof von Lugano, Pier Giacomo Grampa ist wegen zu rassigem Autofahren gebüsst worden. Wie? Ein Bischof? Sonst ist die katholische Kirche nicht für Tempo sondern für Schneckengang bekannt. Was nicht berichtet wird, ob er auch Messwein im Blut hatte. Sein Vergehen hatte allerdings gravierende Folgen: drei Monate Führerscheinentzug. Und das ist hart. Denn Grampa war bekannt, dass er überall hinfuhr, wo er einen Fotoapparat oder eine Fernsehkamera vermutete. „Prezzemolo“ wurde er von einigen genannt, Petersilie, weil dieses Küchenkraut überall anzutreffen ist. So muss er doch froh gewesen sein, dass er vom Fernsehen wegen seiner Sünde zur Rede gestellt wurde. Ich will es ihm nicht unterstellen, dass er absichtlich zu schnell fuhr, weil er seit seinem Rücktritt nicht mehr die Aufmerksamkeit der Medien beanspruchen konnte.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Strahlende Gerechtigkeit

In Indien hat das Oberste Gericht die Homosexualität als strafrechtlich verfolgtes Verbrechen definiert. Das ist doch logisch. In einem Land, wo kein Tag vergeht, ohne dass Frauen brutal vergewaltigt und getötet werden, gelten jene, die das nicht tun, als gesetzeswidrig. (Vgl. Corriere del Ticino, 29. Januar 2014, S. 36)

Montag, 27. Januar 2014

Teufel à go-go

Die Taliban, diese verblendeten Mörder im Namen eines erfundenen Gottes haben ihre eigenen Kriterien, die Errungenschaften der Moderne in „westliches Teufelszeug“ und in Allahs Gabe einzuordnen. Sprengstoff, Kalaschnikows, Handgranaten, Giftbomben und andere Mordwerkzeuge gelten als gottgefällig. Die Polioimpfung, die Kinderlähmung verhindert und Menschen vor Tod und Entstellung rettet, ist aber westliches Teufelszeug. Versteht sich von selbst, nicht wahr? Deshalb bringen sie systematisch die armen Krankenschwestern um, die die Impfung an Kinder verabreichen. Der Oppositionsführer in Pakistan, Bilawal Bhutto meinte, die Krankheit könne dann ausgerottet werden, wenn die Taliban ausgerottet seien. Viel Erfolg, Herr Bhutto!

Samstag, 25. Januar 2014

Die zeitgenössische Kunst

Welche Kunst? Das Mittelmäßige, Durchschnittliche, Erzwungene, Erbrochene erobert die Zustimmung der Betrachter. Im Zeitalter der Information und der ausgreifenden Kommunikation wird groteskerweise der Aussage kein Raum mehr freigehalten. Doch nicht nur der Inhalt wird entbehrlich; auch die Form hat ausgedient. Sie wird zum Zufallswerk, zur Un-form, zum Chaos. Bei allem Bemühen um neue Ausdrucksgattungen, die durch „Spurensicherung“, Happenings, Minimal Art, Land Art, Ready mades, Performance und anderen modernen Kreationsformen geschaffen wurden, muss doch zumindest vermutet werden, dass als getarntes Ziel die Verknüpfung des eigenen Namens mit kunstgeschichtlicher Beheimatung im Vordergrund steht. So will sich selbst das Hässliche, das Abstoßende als Kunst verstehen lassen. Die Uni-Ferkelei des Wiener-Aktionismus mag wohl als Protest, als Schocktherapie, als Ausdruck von Unbehagen gedeutet werden, doch Kunst sind solche Anlässe nicht. Die „zeitgenössische Kunst“ ist die Nacht, in der alle Kühe schwarz sind. Plattheit und Banalität finden darin Unterschlupf, neben kreativem und originellem Schaffen. Da wird im Schweizer Fernsehen der große Kunstevent angepriesen, dass ein eigens dafür erstelltes kleines (und hübsches) Holzhaus auf zwei Paar Skis vierzig Meter den Hang hinunterrutscht. Ein ziemlich erbärmliches Unterfangen. Jeder, der in seinem angestammten Beruf, sei er Arzt, Baggerführer, Autospengler oder Lehrer nicht nach Wunsch "realisieren" kann, darf sich seine Kunstrichtung erfinden. Was dabei herauskommt, ist egal. Und da Galleristen und Kuratoren eine Heidenangst davor haben, als unzeitgemäß und rückständig abgestempelt zu werden, blasen sie tüchtig im Fasnachtschor der neuen Kunstpäpste ihre schrägen Töne. Auf der einen Seite gilt: je weniger Anstrengung und technisches Können in einem Werk zu Vorschein kommen, umso mehr wird ihm Geniales angedichtet. Die Alternative dazu krönt sinnlose, technische Monsterkonstruktionen zu Kunstwerken. Man verstehe mich nicht falsch; am Verspielten, Tänzerischen, Chaotischen, vordergründig Sinnlosen, die sich um Beispiel in den Werken Tinguely’s manifestieren, hat man zu Recht Freude. Doch wie viel Knorz wird sonst dem Zuschauer zugemutet? Nur so kann der unsinnige Spruch von Werner Haftmann gedeutet werden: Kunst ist, was berühmte Künstler machen.* Dies im Zusammenhang mit der Schöpfung von Marcel Duchamp, der ein Pissoir deshalb zum Kunstwerk erklärt hatte, weil er seine Signatur darauf setzte. Wenn aber die Signatur das konstituierende Merkmal eines Kunstwerkes ist, dann könnte einer auf die Idee kommen, sich von einem großen Künstler die Unterschrift auf das Gesäß tätowieren zu lassen und danach als lebendiges Kunstwerk bis ans Ende seiner Tage durch die Welt wandern. In einem bestimmten Alter wäre er dann ein antikes Kunstwerk, oder? Ich wünsche mir eine Kunst, die nicht nur das Triviale verherrlicht, sondern auch Fertigkeit zum Ausdruck bringt. *Betrachtungen zur Tautologie. Das Philosophische Wörterbuch von Walter Brugger nennt Tautologie (wörtlich „dasselbe sagend“) ein Urteil, dessen Subjekt und Prädikat nicht bloß der Sache, sondern dem Begriffe nach identisch sind, der Gebrauch verschiedener Worte, um einem verschiedenen Sinn oder eine Begründung vorzutäuschen. „Berühmte Künstler“ sind dem Wortsinn nach Menschen, die durch ihre Kunst berühmt wurden. Wenn dann „Kunst“ als Werk solcher Menschen definiert wird, dann beißt sich der Hund selber schmerzhaft in den Schwanz.

Freitag, 24. Januar 2014

So ist es!

Der Unterschied zwischen Genialität und Dummheit ist der, dass die Genialität ihre Grenzen hat. (Unbekannter Denker, Zit. bei J. Jonasson)

Montag, 20. Januar 2014

Verkehrsregeln im Jenseits

Einem kolumbianischen Verkehrsrowdy ist für die nächsten neun Jahrhunderte der Führerschein entzogen worden. Dies erfuhr ein Richter in Bogotá, als er den Mann wegen des Unfalltods einer Passantin zur Rechenschaft ziehen wollte. Der Mann hatte im September 2011 in betrunkenem Zustand eine 87-jährige Frau überfahren und ihren Sohn schwer verletzt. Er sollte sich deshalb nun wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Bei der Anhörung stellte der Richter jedoch fest, dass dem Angeklagten schon kurz vor dem Vorfall wegen unzähliger Verkehrsdelikte der Führerschein bis zum Jahr 2999 entzogen war. Gleichzeitig hatte er Geldbussen in einer Rekordhöhe von umgerechnet rund 706'000 Franken angesammelt. Hätte der Mann einen guten Verteidiger gehabt, so wäre ihm möglicherweise das Urteil um die Hälfte reduziert worden. Auf jeden Fall wird der Rowdy nach Verbüssung der Strafe vermutlich nicht mehr erwischt werden. Denn im Jenseits darf man mit höllischem Tempo fahren.