Selbst der Teufel ist herzig, solange er noch klein ist.
(S. Màrai)
Donnerstag, 5. November 2009
DER VERPOLTE AFFE 5
Die Akteure der Geschichte wurden oft mit Übernamen ausgestattet. Der Grosse, der Kleine, der Schöne, der Kühne, die Wahnsinnige, der Gute waren alle Adjektive, die als Kurzdefinitionen verstanden werden können. So auch „Der Schreckliche“. Diesen unrühmlichen Übernahmen gab man dem russischen Zar Ivan Basilovich. Seine sadistische Freude an Quälerei und Töten erzeugte grässliche Früchte von Grausamkeit. In zwölf Jahren ließ er neun Massenhinrichtungen durchführen, er ließ Personen, die in Ungnade fielen, zentimeterweise zerstückeln, andere ließ er mit kochendem und anschließend mit kaltem Wasser übergießen, bis sich das Fleisch von den Knochen löste und er schlug im Jähzorn sogar den eigenen Sohn tot. Er wird zwar als fromm und bibelkundig beschrieben, hatte aber große Freude an allen Gewalttaten. Voltaire, ein guter Kenner Russlands, brach zwar eine Lanze für ihn als er eine dieser Taten als „Fabel“ bezeichnete. Es ging um das Gerücht, Ivan hätte befohlen, dem englischen Botschafter den Hut auf den Kopf zu nageln, weil sich dieser vor ihm nicht barhäuptig präsentiert hatte. (La Russie sous Pierre le Grand, Ed. Gallimard, 1957, S. 601). Hat hier Zar Ivan nicht etwas falsch verstanden? Die Redewendung heißt doch „Nägel mit Köpfen machen“ und nicht „Köpfe mit Nägeln“. Man kann zu Voltaire vermerken, dass selbst dann, falls dies eine „Fabel“ wäre, dies nichts am Übernahmen ändert. Grundlos entsteht ein solches Gerücht nicht. Wäre dies aber wahr, so könnte man sich darüber Gedanken machen, was geschehen würde, falls Ivan heute lebte. Da kommt zum Beispiel ein Oberst Ghedaffi auf Staatsbesuch zum Zar nach Russland. Auf seinem Kopf, wie stets die Militärmütze. Kistenweise würden Gratisspenden mit langen Nägeln in Moskau eintreffen.
Mittwoch, 4. November 2009
NACHDENK-CORNER 5
Bismark hatte 1871 Elsass-Lothringen an Preußen annektiert. Zweieinhalb Departemente mit einer Bevölkerung von 1,6 Millionen Seelen wurden zwangsweise als „Reichsland“ dem Deutschen Reich angegliedert und fortan von Berlin aus regiert. Die Abgeordneten von Elsass–Lothringen im deutschen Reichstag protestierten beharrlich gegen die ihrer kleinen Heimat widerfahrene Unbill. Daraufhin berief sich der deutsche Historiker Treitschke auf das, was er als „historisches Recht“ nannte und das ihn zu den Worten hinriss: „Wir berufen uns wider den Willen derer, die da leben auf den Willen derer, die da waren“. (J.R. von Salis, Weltgeschichte der neuesten Zeit, Bd I, S. 12). Welch’ herrliche Musik für die Ohren der Zionisten! Da soll mir einer sagen, es gäbe kein gemeinsames deutsch-jüdisches Gedankengut. Vor etwa 2000 Jahren waren schließlich die Juden in Palästina. Und andere Völker irgendwo. Mein Vorschlag: machen wir doch gemäß dieser Maxime auch die Völkerwanderung rückgängig!
Dienstag, 3. November 2009
DAS TUT ECHT WEH, IHR HERREN RICHTER
Erster Akt:
Ort der Handlung: Notfallaufnahme des Zieglerspitals in Bern
Darsteller: ein stink besoffener Mann; ein Polizist
Handlung: der stink Besoffene greift den Polizisten an und bespuckt ihn. Der Polizist verabreicht ihm eine Ohrfeige.
Zweiter Akt:
Ort der Handlung: Bundesgericht Bern
Darsteller: Richter des höchsten Gerichts der Schweiz
Handlung: der Polizist wird zu einer Busse von 300 Franken verurteilt
Begründung: „zweckentfremdeter Einsatz staatlicher Macht“; der Polizist wollte sich mit der Ohrfeige nur „innere Befriedigung verschaffen und wollte damit kein amtliches Ziel verfolgen“. (NZZ, 3. November 2009, S. 10)
Kommentar: richtig wäre gewesen: Polizist: „Herr Trunkenbold, es bedeutet mir wirklich große innere Überwindung, doch ich sehe mich gezwungen, angesichts der von Ihnen begangenen Verfehlungen, Ihnen eine amtlich zu kleben." C’est le ton qui fait la musique!
Ort der Handlung: Notfallaufnahme des Zieglerspitals in Bern
Darsteller: ein stink besoffener Mann; ein Polizist
Handlung: der stink Besoffene greift den Polizisten an und bespuckt ihn. Der Polizist verabreicht ihm eine Ohrfeige.
Zweiter Akt:
Ort der Handlung: Bundesgericht Bern
Darsteller: Richter des höchsten Gerichts der Schweiz
Handlung: der Polizist wird zu einer Busse von 300 Franken verurteilt
Begründung: „zweckentfremdeter Einsatz staatlicher Macht“; der Polizist wollte sich mit der Ohrfeige nur „innere Befriedigung verschaffen und wollte damit kein amtliches Ziel verfolgen“. (NZZ, 3. November 2009, S. 10)
Kommentar: richtig wäre gewesen: Polizist: „Herr Trunkenbold, es bedeutet mir wirklich große innere Überwindung, doch ich sehe mich gezwungen, angesichts der von Ihnen begangenen Verfehlungen, Ihnen eine amtlich zu kleben." C’est le ton qui fait la musique!
Montag, 2. November 2009
WIE HABAKUK DIE WELT ERLEBTE 4
Ein alter Weltenbummler hat mir kürzlich geraten, die ewige Stadt zu besuchen. Wieso ewig?, habe ich ihn gefragt. Du Banause, erhielt ich zur Antwort. Schon Gottvater Jupiter bezeichnete Rom als Ewige Stadt. Wenn du es nicht glaubst, so lies doch bei Vergil nach! Vergil? Ja im Äneis, du Unwissender, belehrte mich der Globetrotter. Ich las Vergil und zog durstig nach neuen Eindrücken Richtung Rom. Der Weltenbummler hat mir eine gute Stadtbesichtigung vorbereitet, die ich mit der Basilika Sankt Paul vor den Mauern begonnen hatte.
Man schrieb das Jahr 1709 als ich vor den Toren Roms ankam. Ich kreuzte dort den Weg eines Reisenden aus Britannia.
Du kommst aus der Stadt, welche ich besuchten möchte, sagte ich ihm. Wo finde ich eine billige Herberge?, bat ich ihn um Rat.
Du möchtest in dieses Bordell?, entgegnete er.
Bordell nennst du die Ewige Stadt? Hat es dir denn in Rom nicht gefallen?
Nein, überhaupt nicht (notätall), sagte er. Hier wirst du die denkbar schlechteste Verwaltung finden. Meine Freude an der Stadtbesichtigung begann zu schwinden. Warum, edler Wanderer, urteilst du so hart?
Siehst du, in dieser Stadt besteht die Bevölkerung zu einem Viertel aus Priestern, zu einem Viertel aus Statuen und zu einem Viertel aus Nichtstuern. (Zit. B. Tuchman, Die Torheit der Regierenden, Ex Libris 1985, S. 169)
Das ist doch nur politische Agitation, dachte ich mir, doch ich biss mir auf die Zunge, denn ich wollte keinen Streit vom Zaun brechen. Wie war dann meine Enttäuschung groß, als ich nach einiger Zeit in Rom sein Urteil bestätigt fand. Ich habe gezählt und fand, dass die Bevölkerung zu einem Viertel aus Statuen und zur Hälfte aus Nichtstuern bestand, denn die Priester habe ich auch in diese Gruppe eingereiht. Eine Wahrsagerin, von denen es übrigens in Rom fast so viele gibt wie Priester und die ab und zu meine einsamen Nächte aufwärmte, erklärte mir, dass dies immer so bleiben wird. Wenn eine Stadt ewig ist, so bleibt sie immer gleich, war ihr Argument. Du wirst sehen, mein lieber Onkel Habakuk, dass in Rom selbst in dreihundert Jahren vorwiegend Statuen, Priester und sonstige Nichtstuer leben werden. Man würde diese, so meine Wahrsagerin, Politiker nennen.
(Fortsetzung folgt)
Man schrieb das Jahr 1709 als ich vor den Toren Roms ankam. Ich kreuzte dort den Weg eines Reisenden aus Britannia.
Du kommst aus der Stadt, welche ich besuchten möchte, sagte ich ihm. Wo finde ich eine billige Herberge?, bat ich ihn um Rat.
Du möchtest in dieses Bordell?, entgegnete er.
Bordell nennst du die Ewige Stadt? Hat es dir denn in Rom nicht gefallen?
Nein, überhaupt nicht (notätall), sagte er. Hier wirst du die denkbar schlechteste Verwaltung finden. Meine Freude an der Stadtbesichtigung begann zu schwinden. Warum, edler Wanderer, urteilst du so hart?
Siehst du, in dieser Stadt besteht die Bevölkerung zu einem Viertel aus Priestern, zu einem Viertel aus Statuen und zu einem Viertel aus Nichtstuern. (Zit. B. Tuchman, Die Torheit der Regierenden, Ex Libris 1985, S. 169)
Das ist doch nur politische Agitation, dachte ich mir, doch ich biss mir auf die Zunge, denn ich wollte keinen Streit vom Zaun brechen. Wie war dann meine Enttäuschung groß, als ich nach einiger Zeit in Rom sein Urteil bestätigt fand. Ich habe gezählt und fand, dass die Bevölkerung zu einem Viertel aus Statuen und zur Hälfte aus Nichtstuern bestand, denn die Priester habe ich auch in diese Gruppe eingereiht. Eine Wahrsagerin, von denen es übrigens in Rom fast so viele gibt wie Priester und die ab und zu meine einsamen Nächte aufwärmte, erklärte mir, dass dies immer so bleiben wird. Wenn eine Stadt ewig ist, so bleibt sie immer gleich, war ihr Argument. Du wirst sehen, mein lieber Onkel Habakuk, dass in Rom selbst in dreihundert Jahren vorwiegend Statuen, Priester und sonstige Nichtstuer leben werden. Man würde diese, so meine Wahrsagerin, Politiker nennen.
(Fortsetzung folgt)
Sonntag, 1. November 2009
NACHDENK-CORNER 4
Ein bekannter sunnitischer Theologe, Hassan Khalil hat den Eheleuten mit einem Fatwah (islamisches Rechtsgutachten) verboten, Sex nackt zu praktizieren. Die Nacktheit während des Geschlechtsaktes würde die Ehe ungültig machen. Einer seiner Kollegen versuchte den Eheleuten Erleichterung zu schaffen: man könne zwar nackt kopulieren, doch man dürfe dabei die Geschlechtsorgane nicht anschauen. (Neue Zürcher Zeitung, 16. Januar 2006, S.19) Also zwar nackt, aber mit verbundenen Augen! Doch diese weisen islamischen Häupter sind nicht die einzige Wehrmacht geschlechtlicher Reinmache. Das „Mönchshemd“, das früher von katholischen Moraltheologen beim – ach so schändlichen aber leider unumgänglichen – Geschlechtsakt propagiert wurde, war ein bis zu den Knöcheln reichendes Gewand, mit einem kleinen Loch in der Schamgegend. Die Stilisten des Vatikans haben eine Art Burka für den menschlichen Unterleib kreiert.
Kommentar: mögen doch diese Theologen bei ihren jeweiligen Göttern nachfragen, warum ihnen bei der Schöpfung die Sexualität des Menschen so missraten ist, dass sie durch ihre Diener erfinderisch nachgebessert werden muss.
Kommentar: mögen doch diese Theologen bei ihren jeweiligen Göttern nachfragen, warum ihnen bei der Schöpfung die Sexualität des Menschen so missraten ist, dass sie durch ihre Diener erfinderisch nachgebessert werden muss.
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