„Gut“ und „Böse“ sind psychische a prioris. Sie mögen aus dem steten Kampf ums Überleben entstammen was sichert ist „gut“, was bedroht ist „böse“. Und so werden sie zu Kriterien für das Über-Leben.
Die Welt ist unter bestimmten Rücksichten „böse“. Dies rührt daher, dass einerseits alle Lebewesen fressen müssen, (und wen sonst, als andere Lebewesen?) und gleichzeitig sich alle verteidigen wollen. Der Konflikt ist unausweichlich. „Wenn ich dich nicht friss, so sterbe ich“, „wenn du mich frisst, dann sterbe wiederum ich“. Das Gesetz des Stärkeren ist eben, unter bestimmten Aspekten, „böse“. Der Mensch sah das ein und erschuf folglich gute und böse Götter. Die guten waren Behüter, die bösen Feinde. Als dann Gott im Monotheismus Alleinherrscher wurde, gab es für seinen Schöpfer, dem Menschen nur zwei Möglichkeiten. Entweder war Gott gut und böse zugleich, oder das Böse war nicht von Gott. Von wem denn? Der Fehlschlag der Schöpfung wurde dem Menschen in die Schuhe geschoben.
Und dies geschah folgendermaßen.
Gott erschafft den Menschen und stellt ihn ins Paradies. Er gibt ihm alles, außer der Möglichkeit, „Gut und Böse“ zu erkennen. Ein wunderbarer, eben paradiesischer Zustand, von unbeschränkter Freiheit, denn das Fehlen der Verhaltenskriterien „gut“ und „böse“ lässt alles zu. Dann muss es Gott aber bereut haben, oder einen schlechten Tag erwischt haben, denn er beschließt das Unsinnige. „Nur von den Früchten jenes Baumes darfst du nicht essen“. Was heißt hier „dürfen“?, muss sich doch der Mensch gefragt haben. Man solle mir das erklären. Bei dieser naiven Wehrlosigkeit hat der Teufel leichtes Spiel. Iss doch, der Mensch wehrt sich zunächst, denn du wirst wie Gott, und du wirst Gut und Böse erkennen. Da konnte der Mensch nicht antworten, „ich tue doch etwas Böses“, denn Bös war in seinem Vokabular nicht verzeichnet. So aß er, ahnungslos, etwas „Böses“ zu tun.
Gott war darauf maßlos erzürnt. Nicht auf sich selber, der doch den Unsinn begangen hat, ein Verbot aufzustellen, das vom Menschen nicht eingehalten werden konnte, weil er ihm die Einsicht dazu nicht gab, sondern auf den Menschen und auf den Teufel. Nun, dem Teufel geschieht es recht, doch der arme Mensch war hier betrogen. Eine ungerechte Strafe wird ihm erteilt. Doch Gott begeht den zweiten, sehr anthropomorphen Fehler: er bestraft nicht nur den „Sündigen“, den er doch selbst mit Makeln geschaffen hat, sondern, - und hier kommt der bodenlose Unsinn -, alle seine Nachkommen. Vorher hatte er aber unglücklicherweise dem Menschen aufgetragen, sich zu vermehren. "Seid fruchtbar und erfüllet die Erde", sprach er den so zwingenden Auftrag der Natur nach. Diesen Auftrag hatte der Mensch blindlings ausgeführt, denn Gott hat ihm noch einen Trieb eingepflanzt, der ihn zum Sklaven machte. Du vermehrst dich, doch deine Nachkommen kommen schon geschädigt auf die Welt, denn die “Erbsünde“ belastet sie. Dies ist Blutrache, doch mit einem hässlichen Schönheitsfehler: es liegt keine Schuld vor, die der Rache Gottes einen hinreichenden Grund liefern würde! Hätte es dazumal schon Gewerkschaften gegeben, so hätten diese gewiss zum Streik aufgerufen, denn dies war Betrug von Seiten des Chefs. Und da von nun an die Menschen verdorben waren, begann sich die Sache zu komplizieren. Es wurde gemordet, betrogen, geflucht, gestohlen, Ehebruch begangen, die Gewalt wollte kein Ende nehmen. Und Gott hat gefuchtelt, gedroht, bestraft, die Menschen ersaufen lassen, alles sollte nicht helfen, denn sein Geschöpf war durch seine eigene Inkoheränz verpfuscht. So mochte also Gott nicht weiterspielen. Die Sache musste in Ordnung gebracht werden. Wie macht man das?
Szenario:
„Menschen kommt her, hier spricht euer Herr“.
So kamen sie also, von allen Himmelsrichtungen, zu Fuß, auf Eselskarren, auf Elefanten, Pferden und Schiffen. Und als alle vor Gott versammelt waren, da sprach ihr Herr: „Hört meine Geschöpfe! Es geschah am Anfang ein Irrtum, ein Missverständnis, deshalb seid ihr so gottlos. Wir wollen nun diese schiefe Sache beheben, den Schaden reparieren, damit wieder auf Erden paradiesische Zustände herrschen. Ich nehme von euch die Last der Sünde, und wir beginnen das Spiel von vorne.“
So sprach Gott, der Herr zu seinen Geschöpfen, widerrief seinen Fluch, hob die Erbsünde auf und die Schöpfung war wieder in Ordnung.
Meinst du!
Leider hat Gott ganz andere, noch dümmere Lösungen als die ursprüngliche ausgesucht.
Er beschloss, „seinen Sohn“ Mensch werden zu lassen, um als Sühnopfer die Sünde aus der Welt zu schaffen. Eine Geheimwaffe gab er ihm und sogar seiner Mutter mit: sie kamen ohne Erbsünde auf die Welt. Nur sie! Es hätte da noch einen guten Ausweg gegeben: einige andere ohne Erbsünde hätten die Welt bevölkern können. Den anderen, schmutzigen hätte man untersagt, sich weiterhin zu vermehren, das Böse wäre in kurzer Zeit ausgestorben, der neue Stamm hätte ordnungsgemäß die Welt bevölkert, niemand mehr hätte gemordet, gestohlen, gelogen, Ehe gebrochen, geflucht und sonst Böses getan.
Nein, Gott hat auch diese Lösung nicht gewählt. Er hat seinen Sohn schlachten lassen, als Sühne für die Sünden, die ja er in die Welt geschickt hat und den Menschen aufgetragen, an diesen Unsinn zu glauben, damit sie in den neuen Paradies, sprich Himmel kommen. Die Menschen haben weiterhin gemordet, diesmal hatten sie einen Grund mehr, denn sie haben sich nun auch des Glaubens willen umgebracht.
Die Blüten menschlicher Begriffsspielerei gehen auf, der Sinn hat wenig Bedeutung. So erfand das fromme Streben etwas wie „felix culpa“, die glückliche Schuld. Da durch die Erbsünde die Erlösung notwendig wurde, war es sogar „glücklich“, dass der Mensch in die Falle des Teufels tappte, damit Gottes Sohn sein Opfer erbringen konnte. Herrliche Sinnverdrehung!
Was ist das gemeinsame Merkmal der drei grossen Religionen?
Alle haben Gott nach dem Ebenbild des Menschen geschaffen. In ihrer Verpolung lassen sie sich von diesem Geschöpf bestimmen.
Alle meinen, sich auf Offenbarung Gottes berufen zu können.
Alle meinen, von Gott erwählt zu sein.
Alle meinen, die einzige Wahrheit zu besitzen.
Alle gründen auf Glauben.
Alle sind auf ihre Art missionarisch: die Christen ganz ausdrücklich, die Moslems militärisch, die Juden wirtschaftlich.
Von der abstrusen Sekten in der ganzen Welt wollen wir erst gar nicht reden!
[MSOffice1]Quelle
Mittwoch, 8. Juli 2009
Dienstag, 14. April 2009
NACHDENK-CORNER 1
Schon vor zweitausend fünfhundert Jahren gab es Denker, die erkannt hatten, dass Götter ein anthropomorphes Konstrukt sind. So meinte Xenophanes: Wenn die Ochsen und Rosse und Löwen Hände hätten oder malen könnten mit ihren Händen und Werke bilden wie die Menschen, so würden die Rosse rossähnliche, die Ochsen ochsenähnliche Göttergestalten malen und solche Körper bilden, wie jede Art gerade selbst ihre Form hätte. Und Lukrez fügte etwa ein halbes Jahrtausend später hinzu: Die Angst ist die erste Mutter der Götter. Die Angst vor dem Unbekannten. Dunkelheit, Naturgewalten, Tod, Krankheit, Leiden, Ausmasse des Universums, all diese Phänomene riefen Gott auf den Plan, der dafür herhalten musste, dass der Mensch für seine Frage keine Antworten fand. Doch der Mensch ist bekanntlich neugierig, ein suchendes Wesen. Er forschte auf allen Gebieten und fand immer mehr Antworten auf die geheimnisvollen Phänomene, die ihn umgaben. Gott musste nicht mehr für Blitz, Erdbeben, Überschwemmungen und Vulkanausbrüche bemüht werden. Die Gesetze der Natur wurden enthüllt, der „Lückenbüssergott“ immer stärker zurückgedrängt. Die Religionen versuchten sich dagegen anzustemmen. Wer nicht glauben wollte, musste daran glauben. Giftbecher, Scheiterhaufen, Verstümmelungen, Morde und im milderen Falle Vertreibungen sollten helfen, die „Ungläubigen“ zur Räson zu bringen. Oder zumindest die anderen davon abzuhalten, diesen verwegenen Gestalten zu folgen. Gott wurde zu jener Erfindung des Menschen, in dessen Namen er seinen Nächsten tötet. Doch die Bleibe des Lückenbüssergottes wurde immer enger. Verwegene Freidenken, nüchterne Wissenschafter, aufgeklärte Künstler wagten es immer mehr, ihn zu verdrängen. Alle, die um jeden Preis an den vom Menschen erschaffenen Gott glauben wollen, entgegneten, dass es noch genügend ungeklärte Fragen im Leben gibt, um Gott nicht den Arbeitsvertrag zu künden. Was sie allerdings nicht sagen können, warum Gott diese Fragen beantworten würde. Und wie. Beharrlich halten sie fest, dass sie auf jeden Fall recht haben. Der Glaube erweist sich als die Kunst, sich bei den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Für die Theologen bleibt er jedoch die Bastion, die ihre Stellung verteidigt. So hört man den Papst rufen, wie ein verwöhntes Kind nach seinem Spielzeug ruft: wir müssen ganz fest glauben, glauben, glauben. Warum, Herr Ratzinger? Etwas für wahr halten, weil die anderen behaupten, dass es von Gott kommt? Von welchem der vielen Götter? Meinem, seinem, ihrem? Und woher kommt Ihre Sicherheit? Vom Hörensagen, nicht wahr? Doch wenn man das „Gnade“ nennt, so bekommt die Sache eine völlig andere Dimension und muss mit heiliger Ehrfurcht umhegt werden. Und dazu gibt es noch jede Nostalgiker – Kreationisten werden sie genannt und hausen meistens in den USA – die alles Biblische sogar wörtlich glauben wollen. Für diese wird die Erde stets eine Scheibe bleiben.
„Die Audienz“, mein Buch, (erschienen beim Allitera Verlag, München) versucht den Leser aufzufordern, den archaischen Geschichten der Heiligen Schriften nachzudenken. Sündenfall, Erbsünde, Sintflut, die Leiden Hiobs, die Erlösung, das Letzte Gericht, Himmel und Hölle, Auferstehung und vieles andere mehr gehören in die Gedankenwelt verwirrter Geister und müssen hinterfragt werden. Wer Augen hat, der lese!
„Die Audienz“, mein Buch, (erschienen beim Allitera Verlag, München) versucht den Leser aufzufordern, den archaischen Geschichten der Heiligen Schriften nachzudenken. Sündenfall, Erbsünde, Sintflut, die Leiden Hiobs, die Erlösung, das Letzte Gericht, Himmel und Hölle, Auferstehung und vieles andere mehr gehören in die Gedankenwelt verwirrter Geister und müssen hinterfragt werden. Wer Augen hat, der lese!
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